Lu Guang : Prominenter chinesischer Fotograf in Xinjiang festgenommen

Seine Bilder zeigen die Kehrseite von Chinas Wirtschaftswachstum. Jetzt haben die Behörden den Fotografen Lu Guang in der Unruheprovinz Xinjiang festgesetzt.

Der Fotograf Lu Guang (Archivbild von 2014)
Der Fotograf Lu Guang (Archivbild von 2014)Foto: Reuters/Stringer

Der während einer Reise verschwundene chinesische Fotojournalist Lu Guang ist von örtlichen Behörden in der Unruheprovinz Xinjiang "offiziell festgenommen" worden. Seine Frau Xu Xiaoli teilte am Mittwoch mit, telefonisch von der Polizei in Kashgar über die Festnahme ihres Mannes informiert worden zu sein. Zu den Vorwürfen gegen Lu habe die Polizei keine Angaben gemacht.

Bisher habe sie noch keine offiziellen Dokumente über die Festnahme ihres Mannes erhalten, erklärte die in New York lebende Xu. Ebensowenig dürfe sie ihn besuchen. "Derzeit beauftragt die Familie Anwälte, um mit der zuständigen Dienststelle Kontakt aufnehmen zu können", teilte sie mit. Die Polizei in Kashgar sagte auf Anfrage von AFP, sie habe keine "maßgeblichen Informationen".

Lu, der in den USA lebt und unter anderem mit dem World Press Photo Award ausgezeichnet wurde, verschwand vor etwa einem Monat, während er als Tourist die Provinz Xinjiang besuchte. Am 5. November hätte Lu in der Provinz Sichuan einen Freund treffen sollen, bei dem er aber nie ankam. Sie habe von einem Freund von der Festnahme ihres Mannes gehört, hatte Xu zuvor mitgeteilt.

Die Provinz Xinjiang im äußersten Nordwesten Chinas ist die Heimat der muslimischen Minderheit der Uiguren. Die Uiguren klagen seit Jahren gegen Unterdrückung, bei Unruhen gab es hunderte Tote.

Nach Schätzungen der UNO werden bis zu eine Million Uiguren und andere turkstämmige Muslime in Internierungslagern festgehalten und politisch indoktriniert. Ausländische Journalisten werden in Xinjiang häufig von der Polizei verfolgt und festgenommen, um Berichte über die Lager und den Umgang mit den Uiguren zu verhindern.

In seiner 25-jährigen Karriere dokumentierte Lu vor allem die Nachteile des Wirtschaftswachstums und der damit einhergehenden gesellschaftlichen Veränderungen in China. Auf seinen Bildern hielt er Umweltverschmutzung, die Ausbeutung von Arbeitern, von Aids geplagte Dörfer und den illegalen Import von afrikanischem Holz fest. (AFP)

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