Luftangriff im syrischen Idlib : Schwestern kämpfen in zerbombtem Haus um ihr Leben

Zwei Mädchen versuchen, ihre kleine Schwester nach einem Luftangriff in Syrien aus den Trümmern zu ziehen. Das Foto des Dramas geht um die Welt.

Ein sieben Monate altes Mädchen droht nach einem Luftangriff in Syrien in die Tiefe zu stürzen. Seine Schwestern halten es fest.
Ein sieben Monate altes Mädchen droht nach einem Luftangriff in Syrien in die Tiefe zu stürzen. Seine Schwestern halten es fest.Foto: AFP/Bashar al-Sheikh

Ein Foto wird massenhaft in den sozialen Medien geteilt: Es zeigt, wie zwei von Trümmern verschüttete Mädchen in einem zerbombten Haus im Nordwesten Syriens nach ihrer kleinen Schwester greifen, die herabzustürzen droht. Eines der Mädchen, die fünfjährige Riham al-Abdullah, starb kurz nach der Aufnahme, die beiden anderen wurden schwer verletzt, wie Ärzte am Freitag der Nachrichtenagentur AFP sagten.

Die sieben Monate alte Tuka habe schwere Kopfverletzungen erlitten und werde auf der Intensivstation behandelt, sagte der behandelnde Arzt. Ihre Schwester Dalia wurde nach Krankenhausangaben an der Brust operiert, ihr Zustand sei stabil.

Der Fotograf Baschar al-Scheich hatte die dramatische Szene am Mittwoch kurz nach einem Luftangriff in der Stadt Ariha in der umkämpften Provinz Idlib eingefangen. Das Foto wurde massenhaft in den sozialen Netzwerken geteilt.

Ein Mitglied der Hilfsorganisation Weißhelme, Tawfik Kattan, konnte nach eigenen Angaben eines der Mädchen aus den Trümmern befreien und in Sicherheit bringen. Er sei dann zu dem zerstören Gebäude zurückgeeilt, sagte Kattan. In der Zwischenzeit seien die beiden anderen Schwestern aber hinabgestürzt.

In der von Dschihadisten kontrollierten Provinz Idlib im Nordwesten Syriens gilt seit September eigentlich eine Waffenruhe, doch die Truppen des syrischen Machthabers Baschar al-Assad und ihre russischen Verbündeten hatten dort Ende April eine neue Offensive gestartet. Idlib ist die letzte syrische Provinz unter Kontrolle der Aufständischen.

Hilfsorganisationen bezeichnen die Lage in Idlib als "Albtraum", die UN-Menschenrechtskommissarin Bachelet wirft den syrischen und russischen Streitkräften vor, auch zivile Ziele wie Kliniken und Schulen zu bombardieren. Bei den Luftangriffen wurden laut Aktivisten auch dutzende Kinder getötet. Nach Angaben des Hilfsorganisation Save the Children wurden in Idlib in den vergangenen vier Wochen mehr Kinder getötet als im ganzen vergangenen Jahr. (AFP)

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!