Martenstein über Antisemitismus : Falsche Toleranz gegenüber radikalen Muslimen

Die größte Gefahr für Juden in Deutschland geht von radikalen Muslimen aus. Wohin das führen kann, zeigt sich in Frankreich. Ein Kommentar.

Teilnehmer einer Demonstration verbrennen eine selbstgemalte Fahne mit einem Davidstern in Berlin-Neukölln.
Teilnehmer einer Demonstration verbrennen eine selbstgemalte Fahne mit einem Davidstern in Berlin-Neukölln.Foto: Jüdisches Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus e.V./dpa

Eine Umfrage unter in Deutschland lebenden Juden ergab Folgendes: Acht Prozent gaben an, im Laufe des vergangenen Jahres Ziel eines oder mehrerer körperlicher Angriffe gewesen zu sein. Fast jeder Zehnte. 36 Prozent wurden beschimpft oder beleidigt. Mehr als ein Drittel. Die Befragten sollten auch sagen, wer die Angreifer gewesen seien. 81 Prozent der Angriffe und 62 Prozent der Beleidigungen seien von Muslimen gekommen.

Die Polizeistatistik malt ein anderes Bild. Um diesen Widerspruch zu klären, hat die Zeitung „Die Welt“ recherchiert und herausgefunden, dass alle Taten, bei denen ein Täter nicht ermittelt werden kann, in der Statistik Neonazis zugeschrieben werden, es scheint egal zu sein, was die Opfer sagen.

Neonazis sind gefährlich. Aber die weit größere Gefahr für die deutschen Juden geht mittlerweile von radikalen Muslimen aus. Wohin das im schlimmsten Fall führen kann, sieht man in Frankreich. In Frankreich leben sechs Millionen Muslime, der Anteil der Islamisten unter ihnen wächst. Die Zahl der Juden? Es waren, bis vor einigen Jahren, mehr als 500.000. Laut der Agentur AFP haben bereits 40.000 das Land verlassen und sind nach Israel geflüchtet. Exodus.

Frauen können sich in bestimmten Vierteln nicht in ein Café setzen

In einem Doppelinterview haben die französische Feministin Elisabeth Badinter, Autorin des Bestsellers „Mutterliebe“, und die Deutsche Alice Schwarzer über die Lage in Frankreich gesprochen. Nicht nur Juden, auch Frauen könnten sich in immer mehr Stadtteilen, sogar in gewissen Städten, nicht mehr frei bewegen. Es sei, so Badinter, für Frauen dort nicht möglich, sich in ein Café zu setzen. Beide betonen, dass es natürlich auch Hass und Angriffe gegen Muslime gibt. Diese Tatsache führt manchmal zu einer falschen Toleranz und einer bizarren Solidarität in den Medien. Es gab in Frankreich einen Fall, der an das tagelange Schweigen nach der Kölner Silvesternacht erinnert. Sarah Halimi, eine 65-jährige Jüdin, wurde von Muslimen in ihrer Wohnung gefoltert und dann unter „Allahu Akbar“-Rufen aus dem Fenster geworfen, sie starb. Zwei Monate lang berichteten nur jüdische Zeitungen über diesen Mord. Die anderen schwiegen.

Ich glaube nicht, dass Integrationskurse dieses Problem beheben. Wer in traditionell muslimischem Umfeld aufgewachsen ist, hat in der Familie, in der Moschee, im Fernsehen meist nur gehört: Die Juden sind der Erbfeind. Menschen ändern sich. Wer aber in seinem Milieu bleibt, unter seinen Leuten, in seiner Sprache, der Echokammer seines Viertels und seiner Vorurteile, ändert sich selten. Ab einer gewissen Zahl integrieren Einwanderer sich deshalb nicht, sondern bilden eine Gruppe. So ist es fast immer, so war es in Frankreich. Hinterher soll niemand sagen, er habe es nicht gewusst.

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