Martenstein über Junge Liberale und den Islam : Wenn Vielehen normal werden

Was haben der Islam und die Jungen Liberalen gemeinsam? Die Vielehe. Und was Sahra Wagenknecht damit zu tun hat. Eine Glosse.

Harald Martenstein.
Harald Martenstein.Foto: promo

Ein Hauptanliegen der SPD ist der Familiennachzug bei Asylbewerbern, auch solchen, deren Antrag abgelehnt wurde. Das Stichwort heißt „Härtefallregelung“. Die Befürworter dieser Idee glauben, dass so Integration gefördert wird. Wie kann diese Integration konkret aussehen? Ein volljähriger Syrer, der mit einigen Geschwistern nach Pinneberg gekommen ist, hat seine Mutter und zwei weitere Geschwister nachreisen lassen. Später kam im Interesse des Kindeswohls auch der Vater nach, er brachte seine Zweitfrau und deren Kinder mit. Vielehen sind in Syrien nun mal legal. Um einen Einzelfall handelt es sich nicht. Bei der Zahl der Ehefrauen gibt es im Islam allerdings etwas, das von der SPD zutiefst abgelehnt wird, eine Obergrenze. Sie liegt bei vier.

Dass bei einer solchen Großfamilie Integration schneller vonstatten geht, ist wohl eher Wunschdenken. Wird ein so traditionell eingestellter Vater seinen Frauen erlauben, Deutsch zu lernen, „Emma“ zu abonnieren und einen Beruf in der IT-Branche zu ergreifen? Und wie wird er seine Kinder erziehen? Zur Toleranz für Ungläubige oder gar Juden? Ob angebliche Ehen genauer geprüft werden als die Altersangaben von Einwanderern, ist eine interessante Frage.

Auch in Deutschland gibt es Menschen, die polygam leben. Die Jungen Liberalen in Schleswig-Holstein fordern deshalb, die Multigamie zu legalisieren, hier heißt der Fachbegriff „polyamore Beziehung“. Die Julis stehen jetzt in der Kritik, als Islamisierungsbeförderer. Ein Sprecher sagt, an solch eine Vielehe hätten sie eigentlich nicht gedacht. Bei den Frauen konservativer Muslime sei ja nicht immer von einer Freiwilligkeit der Ehe auszugehen, es gibt Zwangsehen. Außerdem, sage ich, würde eine Muslimin, die vier Männer heiraten will, in gewissen Ländern gesteinigt werden.

Die kulturellen Unterschiede sind beträchtlich. Während die eine Seite auf den ersten Platz ihrer Werteskala die Menschenrechte, Vielfalt und Respekt gesetzt hat, ist die andere Seite davon überzeugt, den strengen Willen Gottes auszuführen, der auf der ganzen Welt gelten sollte. Die Gesellschaft spaltet sich kulturell in einer Weise, die an die Klassenkämpfe der Vergangenheit erinnert. Zum Beispiel, was Frauenrechte angeht: Einerseits wird ein Gedicht übertüncht, weil es feministische Gefühle verletzt. Gleichzeitig werden Viel- und Zwangsehe normaler, nicht jeder mag das. Zu denen, die diese Lage reflektieren, gehört Sahra Wagenknecht. Bei „Maischberger“ sagte sie, dass die SPD sich von früheren Stammwählern weit entfernt hat.

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