Martenstein über Tiere nach dem Tod : Kommt mein Hund in den Himmel?

Evangelische Herrchen können sich in dieser Frage nicht sicher sein, meint unser Kolumnist. Katholische dagegen schon – dank Papst Franziskus.

Gassigehen ist wohl doch ein sehr irdischer Vorgang.
Gassigehen ist wohl doch ein sehr irdischer Vorgang.Foto: Christian Cha/dpa

Berlin ist auch eine Hundemetropole. Zu Ostern fragen sich fromme Berliner und Brandenburger: Kommt eigentlich auch mein Hund in den Himmel? Der evangelische Theologe Rainer Hagencord vom „Zentrum für theologische Zoologie“ in Münster hat erklärt, dass vermutlich auch die Neandertaler oder unser Vorfahr Homo erectus an Türsteher Petrus vorbeikommen. Immerhin sind das Menschen. Tiere seien zwar Teil der Schöpfung und einige von ihnen, ganz sicher die Hunde, empfänden Angst und Lebensfreude. Weil ein Hund mangels Vernunft nicht schuldig werden könne, sei er allerdings „nicht erlösungsbedürftig“. Hagencord schwankt.

Für papsttreue Katholiken ist die Frage geklärt. Der reformfreudige Franziskus hat in seiner Enzyklika „Laudato si“ verkündet, dass Tiere in den Himmel kommen. Dieser Ansicht war immerhin schon Apostel Paulus. Später hat Augustinus die Kirchenpolitik in der Tierfrage gedreht: Tiere seien nicht fähig, zu denken. Dies gilt heute für viele Tierarten als widerlegt, mit dem Homo erectus könnten zum Beispiel Pudel oder Delfine intellektuell wahrscheinlich mithalten.

Franziskus sagt, dass im Himmel jedes Geschöpf „in leuchtender Verklärung“ die Gaben verschenkt, die es selber besitzt. Womöglich können also im Himmel auch die Hundehalter bellen und mit dem Schwanz wedeln, während ihr Hund in der Lage ist, den Tagesspiegel zu lesen.

Abstraktionen sind kein Problem

Römische Verhaltensforscher haben herausgefunden, dass Tiere mit Geld umgehen können. Sie haben Kapuzineräffchen beigebracht, ihr Futter gegen Symbole einzutauschen, die einen unterschiedlichen Wert besaßen, wie Geldscheine. Es waren etwa ein Metallstopfen, ein Plastikchip oder ein Haken. Dafür konnten die Äffchen sich attraktiveres Futter kaufen, nämlich Erdnüsse. Eine hohe Abstraktionsleistung, kein Problem für ein Äffchen. Die Tatsache, dass Tiere was in den Klingelbeutel tun können, wird womöglich die Diskussion weiter zu ihren Gunsten beeinflussen.

Was das Verhalten auferstandener Menschen betrifft, findet sich schon im Talmud eine konkrete Schilderung: „In der kommenden Welt gibt es kein Essen und Trinken, keine Fortpflanzung und keine Vermehrung. Die Gerechten sitzen vielmehr da, ihre Kronen auf den Köpfen, und genießen die Herrlichkeit Gottes.“ Ob dies für einen Hund attraktiv ist, bleibt fraglich. Auch für Neandertaler dürfte ein Wiedersehen mit Homo sapiens, der sie wahrscheinlich ausgerottet hat, erst mal einen Schock bedeuten. Andererseits sind, laut Franziskus, im Himmel auch wieder Mammuts da. Das beruhigt vielleicht den Neandertaler.

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