Martenstein zu Migranten : Sollen wir das Land wieder teilen?

Migrantenverbände wünschen sich neben dem 3. Oktober einen "Tag der Vielfalt". Das klingt nach einer Absage an die Idee der Integration.

Besucher des Bürgerfests zum Tag der Deutschen Einheit am Brandenburger Tor.
Besucher des Bürgerfests zum Tag der Deutschen Einheit am Brandenburger Tor.Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

Migrantenverbände fordern, dass es auch einen "Tag der Vielfalt" geben soll, neben dem "Tag der deutschen Einheit". Am 3. Oktober würden die Dinge immer nur "aus einer rein weißen Sicht betrachtet – deutschdeutsche Ostdeutsche wiedervereint mit deutschdeutschen Westdeutschen". Die „Bindestrichdeutschen“ würden vergessen, mitsamt ihrer Erfahrung von "Entfremdung", "Stigmatisierung" und Rassismus, der mit der Wiedervereinigung häufig einhergegangen sei.

Die deutsche Bevölkerung würde dann also getrennt feiern, deutschdeutsch und bindestrichdeutsch. Wie weit soll dieses Land eigentlich noch auseinanderdriften? Weil es wünschenswert ist, dass wir miteinander auskommen, sollten wir uns wohl eher auf unsere gemeinsamen Interessen konzentrieren als auf das Trennende.

Deutschland ist unser gemeinsames Projekt

Dazu sind unter anderem solche Feiertage da wie der 3. Oktober. Es ist sicher richtig, den Begriff "Einheit" in Zukunft weiter zu fassen, also auch die Einheit der Deutschen mit und ohne Migrationshintergrund am 3. Oktober zum Thema zu machen.

Deutschland ist unser gemeinsames Projekt. Wir haben zusammen Erfolg oder wir gehen zusammen den Bach runter. Ein Firmenchef, der an Weihnachten die einzelnen Abteilungen getrennt feiern lässt, nach Herkunft, sexueller Orientierung und sozialer Schicht, wäre mit dem Klammerbeutel gepudert.

Liebe Migrantenverbände, wenn wir uns in ein Siedlungsgebiet verwandeln, in dem verschiedene Stämme vor allem ihre eigenen Interessen vertreten und sich gegenseitig beschimpfen, geht das Land kaputt. Und je stärker ihr eure Identität betont, desto stärker werden es selbstverständlich auch die anderen tun. Je mehr die Bindestrichdeutschen sich von den Deutschdeutschen abgrenzen, desto mehr werden viele Deutschdeutsche das Gefühl haben, dass auch sie sich in eine Wagenburg zurückziehen müssen.

Mensch, Ihr lebt doch freiwillig in diesem Land. Es bietet eine Menge Vorteile. Ihr solltet ein wenig Respekt aufbringen für seine Bräuche, seine Feste und die positiven Aspekte seiner Geschichte. Ihr seid herzlich eingeladen, aber mitfeiern muss natürlich niemand.

Hat Erdogan da wieder was gedreht?

Die Hautfarbe spielt am 3. Oktober übrigens keine Rolle, wir feiern nicht eine „weiße Sicht“, sondern einen historischen Glücksfall, der, trotz aller Probleme, das Leben vieler Deutscher positiv verändert hat. Seht es als eine Art Geburtstagsparty. Ihr könnt einem, der seinen Geburtstag feiert, wirklich nicht vorwerfen, dass es dabei um ihn oder sie geht.

Die Forderung nach einem eigenen Feiertag nur für eure Identität, aufgeladen mit pauschalen Vorwürfen an die Deutschdeutschen, klingt nach einer Absage an die Idee der Integration. Hat Erdogan da wieder was gedreht? Sollen wir das Land wieder teilen? Ist es wirklich das, was ihr wollt?

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!

199 Kommentare

Neuester Kommentar