Oskar Lafontaine, Stalinismus und zweistellige Ergebnisse

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Matthias Höhn im Interview : "Es heißt: Merkel oder Die Linke"

Fürchten Sie noch die Konkurrenz von Protestparteien wie Piraten oder AfD?
Nein.
Oskar Lafontaine hat mit Euro-Skepsis Stimmung gemacht. Wie wichtig ist seine Hilfe im Wahlkampf?
Im Wahlkampf zählen Inhalte, das Image der Partei und natürlich bekannte Köpfe. Zu diesen Köpfen gehört er immer noch, auch wenn er keine Funktion auf Bundesebene mehr hat.
Warum haben Sie ihn dann nicht eingeplant für eine der 19 zentralen Wahlkampfkundgebungen? Wollte er nicht?
Wir werden in Abstimmung mit den Landesverbänden vor allem unsere Spitzenkandidaten und die Parteivorsitzenden bei den zentralen Veranstaltungen auftreten lassen. Oskar Lafontaine wird in diesem Wahlkampf unterwegs sein, er wird Veranstaltungen machen, sehr viele in NRW. Insofern ist er von der politischen Bühne nicht verschwunden.

Im Saarland ist zuletzt viel schief gelaufen, unter anderem musste die Versammlung zur Nominierung der Bundestagskandidaten wiederholt werden. Hat Lafontaine seinen Landesverband nicht im Griff?
Zugegeben: Im Saarland ist in den vergangenen Wochen nicht alles glatt gegangen. Als Wahlkampfleiter erwarte ich, dass Listenaufstellungen korrekt ablaufen. Für die Außenwirkung der Partei, für die Mobilisierung der Anhängerschaft waren diese Probleme Mist. Das hat dem Landesverband insgesamt geschadet. Die Latte für den 22. September liegt hoch im Saarland, und das hat natürlich mit Oskar Lafontaine und seiner Kandidatur 2009 zu tun.
Auf Bundesebene gab es zuletzt Streit um eine Gedenktafel für Opfer des Stalinismus. Der linke Flügel ihrer Partei hat im Vorstand verhindert, dass sie noch vor der Bundestagswahl am Karl-Liebknecht-Haus, der Parteizentrale, aufgehängt wird. Bedauern Sie das?
Der Beschluss des geschäftsführenden Vorstandes vom März dieses Jahres war nicht mit einem Datum versehen. Wir haben den Text beschlossen und dass wir die Tafel am Haus anbringen. Dieser Beschluss gilt. Der Vorstand hat sich nur verständigt, ihn erst im Herbst umzusetzen.
Die Kritiker argumentieren, beim Stammwählermilieu könnte eine Entschuldigungsgeste schaden. Teilen Sie diese Einschätzung?
Bei Fragen zur eigenen Geschichte geht es nicht darum, das eigene Wählerpotenzial zu maximieren. Ich kenne das Argument, ich teile es aber nicht. Warum soll es uns schaden, an ermordete Antifaschisten zu erinnern? Der Bruch mit dem Stalinismus ist Gründungskonsens der PDS gewesen und seitdem Bestandteil unserer Programme. Hier im Speziellen geht es um die Erinnerung an eine Opfergruppe, zu der wir als Partei einen sehr engen Bezug haben. Es geht um Kommunistinnen und Kommunisten, die zum Teil auch in diesem Haus vor 1933 tätig waren. Wenn über die Verbrechen des Stalinismus in der Öffentlichkeit diskutiert wird, wird diese große Opfergruppe oft verschwiegen.

Das heißt, die Parteizentrale ist der richtige Ort für die Anbringung - und Diskussionen über andere Gedenkorte wie den Friedhof Friedrichsfelde verbieten sich?
Es gibt sehr gute Gründe, die Tafel am Karl-Liebknecht-Haus anzubringen. Dieses Haus hat eine lange Geschichte, die auch mit unserer Partei beziehungsweise der Kommunistischen Partei vor 1933 eng verbunden ist. Und deswegen ist hier ein guter Platz, an diese Opfer zu erinnern.
Noch immer ermittelt die Staatsanwaltschaft Hamburg im Zusammenhang wegen des Verdachts auf Falschaussage von Gregor Gysi zu seinen früheren Stasikontakten. Wünschen Sie sich überhaupt noch, dass dieses Verfahren noch vor der Bundestagswahl abgeschlossen wird?
Meine Wünsche werden die Staatsanwaltschaft Hamburg in keiner Weise beeindrucken. Ich bin seit Monaten sehr gelassen. Diese Angelegenheit schadet Gregor Gysi als Person nicht, und uns als Partei auch nicht. Das Thema ist durch.
2009 kam die Linke auf 11,9 Prozent. Ist das von Gysi benannte Ziel, die Linke werde im Herbst bei der Bundestagswahl zweistellig abschneiden, realistisch?
Gregor Gysi hat gesagt, wir wollen ein zweistelliges Ergebnis. Dieses Ziel soll die Partei motivieren. Ich habe immer gesagt, wir wollen so gut wie möglich werden und so nahe wie möglich an das außergewöhnliche Ergebnis von 2009 herankommen.

Das Gespräch führte Matthias Meisner.

Matthias Höhn (37) ist seit Juni 2012 Bundesgeschäftsführer der Linken.

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