Matthies meint : Bei Einreise Klimapass vorzeigen

Professor Schellnhuber hat eine Idee: Alle, die wegen des Klimawandels heimatlos werden, sollen zu uns kommen dürfen. Mit einem "Klimapass". Unser Kolumnist íst etwas skeptisch. Eine Glosse.

Der Direktor des Institutes für Klimafolgenforschung in Potsdam, Hans Joachim Schellnhuber, hinter einer Weltkugel.
Der Direktor des Institutes für Klimafolgenforschung in Potsdam, Hans Joachim Schellnhuber, hinter einer Weltkugel.Foto: DPA

Das Wort „Klimapass“ blickt auf eine lange Geschichte zurück. Der heute vergessene Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee hat Jahre damit zugebracht, den „Klimapass für Neuwagen“ dann doch nicht durchzusetzen. Das bedeutet aber auch: Der Begriff ist wieder frei und darf hemmungslos benutzt werden. Darüber ist nun auch der oberste Potsdamer Klimaapokalyptiker, Professor Schellnhuber, gestolpert und hat den Grünen am Wochenende eine faszinierende Idee vorgestellt: Jeder, der wegen des Klimawandels heimatlos werde, solle in eins der Länder einreisen dürfen, die daran schuld seien, mit dem „Klimapass“ eben.

Bei den grünen Zuhörern hat das großen Beifall gefunden, Renate Künast musste ihre Beglückung sogar umgehend twittern. Nun ist das etwas irritierend, weil man ja bei den Grünen großteils der Auffassung ist, Deutschland solle sowieso jeden aufnehmen, der das wünscht – wozu da noch den Nachweis der Klimaopfereigenschaft fordern? Und wäre erfolgreicher Kampf gegen den Klimawandel dann nicht sogar kontraproduktiv? Aber zum Vorschlag selbst. Man wird annehmen dürfen, dass Deutschland als einziges Land auf der Welt in der Gefahr schwebt, diese abgefahrene Idee Schellnhubers tatsächlich umzusetzen – er ist bekanntlich auch der Klimaflüsterer der ewigen Kanzlerin. Aber wenn nun viele Menschen aus der ganzen Welt unter Berufung auf den Klimapass tatsächlich bei uns einreisen – wer prüft dann ihren Antrag? Das Berliner Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten? Und gestützt auf welche Fakten?

Ötzi hätte ein Recht auf einen Klimapass

Die Fidschi-Inseln beispielsweise haben es vermocht, die ganze Welt davon zu überzeugen, dass sie schon mehr oder weniger abgesoffen sind; es fliegt nur sehr selten jemand hin, um mit eigenen Augen festzustellen, dass davon keine Rede sein kann. Klimapass genehmigt! Wenn jemand, sagen wir, wegen der Hitze aus Brasilien flüchtet – können wir ihn dann in die Heimat zurückschicken mit der Begründung, sie hätten halt ihren Regenwald nicht abfackeln sollen? Oder sind wir als Ökosprit-Nutzer auch dafür verantwortlich?

Klar ist: Wenn einer wie der Ötzi sein Leben in einer Gletscherregion verbracht hat, die nun schmilzt, dann hätte er das Recht auf einen Klimapass. Aber der ist lange tot, und niemand tut es ihm nach. Es kann also einfach sein, dass die ganze Idee haarsträubender Unsinn ist. Was sie nicht daran hindern wird, demnächst auf irgendwelchen Koalitionsverhandlungen aufzutauchen.

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