Matthies meint : Ein Backhendl für den russischen Präsidenten

Man weiß nicht, wie die Kanzlerin es findet, dass ihr Gast Putin kurz vor seiner Visite in Meseberg noch anderswo einkehrt. Eine Glosse.

Vermutlich wären die Hendl für Herrn Putin nicht von der Stange.
Vermutlich wären die Hendl für Herrn Putin nicht von der Stange.Foto: Stefan Sauer/picture alliance

So sehen Albträume aus. Man trifft den russischen Präsidenten, macht ein wenig Smalltalk, und sagt dann: „Ach, übrigens, ich heirate in ein paar Monaten, vielleicht haben Sie ja Lust, vorbeizukommen.“ Ein Scherz, natürlich, denn das weltweite Destabilisierungsgeschäft fordert vollen Einsatz, so jemand verabredet sich nicht einfach mal so daher. Und dann? Kommt er plötzlich.

Am heutigen Sonnabend soll Wladimir Putin mit vollem Gepränge im zauberhaft gelegenen Gasthaus Tscheppe in der Steiermark einfallen, abgesichert vom gefürchteten Cobra-Team des österreichischen Militärs. Er wird elastisch aus dem Hubschrauber federn, einen Blick in die Runde werfen, dann zur österreichischen Außenministerin Karin Kneissl eilen, Küsschen links, Küsschen rechts – sie ist es, die heiratet. Über das Hochzeitsgeschenk ist noch nichts bekannt, möglicherweise sind es zwei Labradorwelpen, wenn zu Hause bei Putins grad mal wieder geworfen wurde.

Ob die Kanzlerin etwas verschnupft ist?

Daran ist an sich nichts verwerflich. Jeder, der das Gasthaus kennt, möchte bei diesem Wetter gern dort sitzen und Backhendl essen; das Haus ist für Backhendl, was der Kreml einst für den Weltkommunismus war. Aber man könnte sich vorstellen, dass die deutsche Kanzlerin, die sich am selben Abend mit Putin in Meseberg treffen will, ein wenig verschnupft ist. Kommt er pünktlich? Ist er überhaupt vorbereitet? Eventuell beschwipst? Käme er auch zu meiner Hochzeit, wenn eine solche anstünde, und wie würde ich das zu verhindern versuchen?

Und für Gauland eine Labrador-Krawatte

Österreich und Hochzeitsdiplomatie – das ist seit den Habsburgern praktisch eins, tu felix Austria, nube. Aber dazu fehlen im aktuellen Fall die konkreten Bezüge. Ernst wird die Lage erst, wenn Putin dem österreichischen Kanzler Kurz seine Tochter zur Frau andient, was gegenwärtig nur gewaltsam umzusetzen wäre, weil Kurz mit seiner Jugendliebe zusammen ist und Putins Tochter einen passenden Oligarchen geehelicht hat. Aber für die Ukraine ist es schon mal Mist, weil Kurz und seine Außenministerin dort eigentlich vermitteln sollen, was nach der Backhendl- Hochzeit seltsam ausschaut.

So fängt das nämlich an. Aber wie geht es weiter? Denkbar, dass sie in der AfD schon mal ihre heiratsfähigen Kräfte durchsehen und zur Ehe antreiben; notfalls muss Alexander Gauland selbst ran. Putin würde ihm sicher eine schöne neue Labrador-Krawatte zur Hochzeit schenken.

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