Matthies meint : Keine Sau für die Kifferpartei

Die Rügenwalder Mühle nimmt die Currywurst vom Markt. Unserem Kolumnisten schwant da nichts Gutes. Eine Glosse.

Die "Mühlen Currywurst - gegrillt" vom Hersteller Rügenwalder Mühle liegt mit vegetarischen und veganen Produkten auf einem Tisch.
Die "Mühlen Currywurst - gegrillt" vom Hersteller Rügenwalder Mühle liegt mit vegetarischen und veganen Produkten auf einem Tisch.Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Vorrede: Diese Glosse knüpft an die Wahl vom Sonntag an, ändert dann aber glücklicherweise abrupt das Thema.

In den letzten Jahren hat sich der Gillamoos im bayerischen Abensberg bundesweit einen Namen als Alternative zum Aschermittwoch gemacht: Politiker, die im Dunst eines dicht besetzten Bierzelts Sachen sagen, die sie lieber für sich behalten hätten. Nun ist diese Veranstaltung in diesem Jahr im Trubel der ostdeutschen Wahlen weit an den Rand der Wahrnehmung gerückt. Damit die dort liebevoll formulierten Injurien nicht völlig untergehen, hier wenigstens eine davon, wir hören Hubert Aiwanger von den Freien Wählern in Bayern: Die Grünen müssten gestoppt werden, sagte er, sie seien Mitglieder einer „Kifferpartei“, „die haben häufig noch nie eine echte Sau gesehen, höchstens ein Marzipanschweinchen“. Yep, that’s German Bierzelt!

Was nun allerdings die echte Sau angeht, werden die Grünen womöglich kaum noch Gelegenheit haben, sie anzusehen, weil ihre Zeit abläuft (die der Sau). Pünktlich zum 70. Geburtstag der Currywurst am 4. September nämlich hat der Noch-Wursthersteller Rügenwalder Mühle das Ende ebendieses Produkts verkündet. Man brauche Platz für Vegetarisches, heißt es.

Was wird fortan vom Band laufen?

Zeitenwende?

Oder auch nicht. Es gab die Rügenwalder Curry, stramm in Folie verpackt, aus Fleisch und Geflügel, fertig zum Erwärmen in Wasserbad oder Mikrowelle. Kann man sich so was vorstellen? Was würden wir Berliner, allesamt gefühlte Nachkommen von Hertha Heuwer, der Erfinderin, was würden wir mit einem tun, der uns so etwas als Currywurst anbietet? Ihn, richtig, echt zur Sau machen.

Fassen wir zusammen: Ein großer Hersteller nimmt ein Produkt vom Markt, das nicht den Tod eines einzigen Tiers wert war, um fortan industriell noch mehr Tierersatzprodukte herzustellen, und er tut das plakativ zum Jubiläum der Currywurst.

Was wird dort fortan vom Band laufen? Sicher nicht Aiwangers Marzipanschweinchen, aber vielleicht vegane Currywurst mit einer Inhaltsdeklaration, so lang wie eine Wiener – Wasser, Pflanzenfett, Erbseneiweiß ... Das ist alles ultra-ethisch, wenngleich wohl niemand freudig den 70. Geburtstag solcher Erzeugnisse begehen wird.

Was übrigens den Rauschmittelkonsum grüner Parteimitglieder angeht, so existieren darüber keine Statistiken. Der wird im Bevölkerungsdurchschnitt liegen. Da aber die Herstellung von einem Kilogramm Cannabis allein viereinhalb Tonnen CO2 freisetzt, wäre es doch höchste Zeit für eine ehrliche Debatte. #kifferscham?

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