Matthies meint : Sind wir dann tot?

Das Handy - dein Freund und Helfer. Außer der Akku ist alle. Bald kann man mit dem Smartphone bezahlen. Ob das funktioniert? Eine Kolumne.

Bernd Matthies
Einfach mit dem Handy zahlen - und vielleicht geht es irgendwann auch für uns arbeiten.
Einfach mit dem Handy zahlen - und vielleicht geht es irgendwann auch für uns arbeiten.Foto: Jens Büttner/dpa

Unser Handy, so besagt die Lebenserfahrung eines älteren Menschen, ist immer, wenn es drauf ankommt, entweder entladen, stummgeschaltet oder einfach nur so weg. Viele der Wartezeiten an Flughäfen gehen darauf zurück, dass moderne Passagiere die Bordkarte auf dem Mobiltelefon haben, aber den Speicherort nicht finden können; gigantische volkswirtschaftliche Werte werden dadurch vernichtet, dass wir unsere Termine auf dem Handy eintragen, es dann verlieren und hilflos wichtige Konferenzen zur Weltrettung versäumen oder die Wurzelbehandlung beim Zahnarzt.

Abrechnung am Monatsende, per Kreditkarte

Und es wird garantiert noch schlimmer. Die Firma Google, deren Vorname in Deutschland bekanntlich „Datenkrake“ lautet, startet dieser Tage bei uns seinen Smartphone-Bezahldienst. Einfach shoppen nach Herzenslust, dann das Handy vor die Kasse halten, und pieps, fertig. Die Abrechnung folgt zum Monatsende über die Kreditkarte, und wenn Sie es nicht weitersagen: Ist das Konto überzogen, löscht das Handy zur Strafe seinen Speicher mit den oben bereits erwähnten Folgen.

Nein, nur ein Scherz. Über eventuelle negative Folgen dieser Neuerung ist noch nichts bekannt geworden, und Google selbst schwört heilige Eide, dass man die Transaktionen weder anschauen noch Geld damit verdienen, sondern nur Geschäfte ermöglichen und ein wenig Reklame fürs Betriebssystem Android machen wolle.

Systemwidrige Zuckerdose!

Paranoide Bargeldfreunde werden dies dennoch zum Anlass nehmen, wieder einmal die alte Verschwörungstheorie aufzuwärmen, nach der uns der Staat (oder die Bilderberger oder Angela Merkel persönlich) das Bargeld wegnehmen wollen, damit niemand es mehr systemwidrig in der Zuckerdose hortet und damit der heimtückisch inszenierten Geldentwertung per Konto entwischt.

Unlogisch? Egal: Es geht ja ums Handy und wie es sich unseren Alltag aneignet. Hat nicht Minister Jens Spahn neulich vorgeschlagen, die untaugliche Gesundheitskarte zu versenken und den ganzen Krempel statt dessen aufs Handy zu laden, Diagnosen, Medikamente, Röntgenbilder, solche Sachen? Wozu noch Monatskarten, Reisepässe, Führerscheine, wenn das doch alles mit Googles Hilfe digitalisiert und im Smartphone untergebracht werden kann?

Wenn das Smartphone zur Arbeit geht

Auf lange Sicht läuft es ohnehin darauf hinaus, dass wir selbst zu Hause bleiben und faulenzen, während unser Smartphone draußen rumläuft, um die Arbeit zu erledigen und einzukaufen. Allerdings sollte vorher noch geklärt werden, was passiert, wenn der Akku leer ist. Sind wir dann tot?

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