Matthies meint : Stadionnamen: Wie wäre es mit Deutsche-Wohnen-Arena?

Fußballstadien bekommen immer lustigere Namen. Unser Kolumnist hat da noch ein paar zusätzliche Vorschläge. Eine Glosse.

Dirk Thieme (l), Vorstandsvorsitzender der «An der Alten Försterei» Stadionbetriebs AG, und der Präsident des 1. FC Union Berlin, Dirk Zingler.
Dirk Thieme (l), Vorstandsvorsitzender der «An der Alten Försterei» Stadionbetriebs AG, und der Präsident des 1. FC Union Berlin,...Foto: Jörg Carstensen/dpa

Wörter können so schön sein! Das hier ist Wörter-Bundesliga: Prezeroarena. Äh, halt, Moment, da müssen wir ein wenig Ordnung reinbringen, so: PreZero Arena. Fußballkundige werden jetzt sofort erkennen, dass es sich um das Fußballstadion der TSG Hoffenheim in Sinsheim handelt, das bis zum Januar Rhein-Neckar-Arena hieß. Warum die Änderung? Ganz einfach: Weder Rhein noch Neckar waren bereit, vier Millionen Euro jährlich für die Verwendung ihrer Namen zu bezahlen. Und anders als die Recycling-Firma PreZero wären sie auch nie auf die Idee gekommen, den Rasenschnitt des Stadions als Rohstoff für die Produktion von Autogrammkarten zu verwenden. Sooo grün!

Nun gut, Rhein-Neckar–Arena oder nicht, wen kümmert’s? Aber was ist mit dem Bremer Weserstadion, das nun wirklich jeder in Deutschland kennt? Es heißt künftig „wohninvest Weserstadion“, für zehn Jahre und insgesamt 30 Millionen Euro. Echte Stadion-Gourmets werden aufmerken: Der Name Weserstadion hat dabei sogar überlebt, ein Schicksal, das beispielsweise dem ähnlich berühmten Dortmunder Westfalenstadion nicht beschieden war, denn das heißt ja seit 2005 „Signal Iduna Park“.

Reizthema RB Leipzig

Die Bremer haben allen Grund, sich glücklich zu schätzen, denn es kann im Umgang alles beim Alten bleiben. Abzuwarten wäre allenfalls, ob sich Fußballreporter nun künftig lautstark aus dem Wohninvest-Weserstadion melden; manche sind vielleicht so doof.

Aber wir sind hier beim Reizthema Wirtschaft und Fußball, das bekanntlich in massenhaftem Hass gegen RB Leipzig gipfelt, jenen Verein, der seinem Sponsor gleich komplett gehört. Dass auf einem Stadion draußen ein fußballferner Name klebt, der eventuell auch noch mal wechselt, das ist aber längst normal. Außer, außer...

Berlin! Berlin hat das Olympiastadion und neuerdings auf Erstligaebene die Alte Försterei, beide ohne Beinamen. Es könnte also der Eindruck entstehen, Berlin sei gewissermaßen eine Insel der Seligen – aber muss das so bleiben? Es gibt gerade in Berlin ein paar große Wohnungsunternehmen mit Image-Problemen, warum also nicht aus dem Olympiastadion einen Vonovia-Park machen oder eine Deutsche-Wohnen-Arena?

Von der Alten Försterei sollten sie allerdings die Finger lassen, das gäbe eine Revolution in Köpenick mit anschließender Ausrufung der Fußballmonarchie. Na gut: Vielleicht „Alte Berliner Pilsner Försterei“?

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