Die digitale Kommunikation bleibt oberflächlich. Soziale Kontakte kann sie nicht ersetzen.

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Mediengesellschaft : Beherrscht uns das Internet?

Während wir jede Scham verlören, unser Privates öffentlich zu machen, verkümmerten unsere sozialen Kompetenzen, sagt Turkle. Die Angst vor Verletzung etwa in Beziehungen steigt, wir ziehen uns zurück in die Maschine; nur keine Gespräche von Angesicht zu Angesicht! Am Ende ihrer Reise zu Menschen, die sie zu Studienzwecken trifft, ist Turkle überrascht: „Ich begegne ständig Menschen, die gewillt sind, Roboter nicht nur als Haustiere, sondern als Freunde oder Intimpartner in Betracht zu ziehen.“ Sie folgert: „Die Idee vom sozialen Roboter deutet darauf hin, dass wir versuchen könnten, Nähe zu spüren, indem wir sie vermeiden. Wir erwarten von Technologien immer mehr und von unseren Mitmenschen immer weniger.“

Turkles Behauptung klingt nicht einmal falsch. Jeder sollte für sich eine Antwort darauf haben.

Sabria Davids Antwort setzt auf den Menschen, „der die neuen Kulturtechniken erlernen“ und soziale Gefahren minimieren werde. Ulrike Cress, die Psychologin vom Leibniz-Institut, sagt, die oberflächliche Kommunikation wie etwa über „Like- oder Dislike-Buttons“ bei Facebook werde die Leute bald langweilen. Sie glaubt, dass die Menschen eine „Sehnsucht haben nach Tiefe, auch in Beziehungen“. Geert Lovink schreibt in seinem Buch „Zero Comments“: „Es wäre viel gewonnen, wenn es ein größeres Bewusstsein für die Grenzen der neuen Medien gäbe. Aber wir sollten das Technische nicht abtrennen und es außerhalb der sozialen Interaktionen stellen.“

Am Ende bleibt der Mensch wohl ein Mensch, mit allen seinen Stärken und Schwächen. Das wird er aushalten müssen.

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