Menschenrechte : Fotograf Lu Guang in China verschwunden

Er gilt als das fotografische Gewissen Chinas. Nun soll Lu Guang festgenommen worden sein. Menschenrechtler befürchten das Schlimmste.

Der chinesische Fotograf Lu Guang.
Der chinesische Fotograf Lu Guang.Foto: REUTERS

Nach dem Verschwinden des chinesischen Fotografen Lu Guang haben Menschenrechtler seine sofortige Freilassung verlangt. „Wir sind in akuter Sorge um das Leben von Lu Guang“, sagte Ulrich Delius, Direktor der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV), nach einer Mitteilung am Mittwoch. Wie seine Frau Xu Xiaoli auf Twitter berichtete, war Lu Guang zuletzt in der chinesischen Unruheprovinz Xinjiang unterwegs. Am 3. November habe sie den Kontakt zu ihrem Mann verloren. Freunde bestätigen ihr, dass Lu Guang von Sicherheitskräften festgenommen wurde. Seitdem fehlt von ihm jede Spur.

Lu Guang gilt als einer der bekanntesten Fotografen Chinas, lebt aber mit seiner Familie in New York. Er wurde vielfach ausgezeichnet, darunter mit dem World Press Photo Award und mit dem deutschen Henri-Nannen-Preis. „Lu Guang ist das fotografische Gewissen Chinas“, sagte Delius. Wegen seiner Arbeit sei er auch häufig bedroht worden.

Die GfbV befürchtete, dass die Verhaftung des Fotografen mit der dramatischen Verschlechterung der Menschenrechtslage in Xinjiang zusammenhängt. Journalisten werde es immer schwerer gemacht, in Xinjiang zu recherchieren und zu fotografieren. 

Nach Berichten von Menschenrechtsorganisationen werden in Chinas westlichster Provinz Hunderttausende Angehörige der turkstämmigen Volksgruppe der Uiguren in Umerziehungslagern festgehalten. 

Die Maßnahme wird von China als Vorbeugung gegen Extremismus und Terrorismus beschrieben. In den Lagern geht es demnach um „ideologische Erziehung gegen Extremismus, psychologische Behandlung und Verhaltenskorrekturen“ sowie um „berufsbildende Maßnahmen“.

Xinjiang gilt wegen der Spannungen zwischen den Uiguren und den Han-Chinesen schon lange als Konfliktherd. Nach blutigen Unruhen 2009 und einer Reihe von Terroranschlägen greifen die Sicherheitskräfte hart durch. (dpa)

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