Politik : Minister reden in Potsdam über Klima

Dagmar Dehmer

Berlin - Große Beschlüsse seien nicht zu erwarten, sagt Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD). Aber er hofft, dass sich die Umweltminister aus den sieben wichtigsten Industriestaaten und Russland (G 8) mit ihren Kollegen aus den fünf wichtigsten Schwellenländern zumindest offen austauschen. „Es geht darum, Interessen offenzulegen“, sagte er im Vorfeld des G-8-Umweltministertreffens, das von Donnerstag bis Samstag in Potsdam stattfinden wird. Nur dann, meint er, werde es gelingen, „die Interessen auszugleichen“. Beim Klimaschutz hofft er dabei noch nicht auf einen Durchbruch. Aber zumindest auf ein Gerüst, welche Elemente ein Klimaschutzabkommen nach dem Auslaufen des Kyoto-Protokolls womöglich haben könnte.

Das zweite Thema ist die Artenvielfalt. Im kommenden Jahr wird in Bonn die nächste Vertragsstaatenkonferenz zum Schutz der Biodiversität stattfinden. Das beim Weltgipfel in Johannesburg im Jahr 2000 vereinbarte Ziel, den Verlust der Artenvielfalt bis 2010 zu stoppen, dürfte schon nicht mehr erreichbar sein. bis 2050 rechnen die Fachleute mit einem weiteren Verlust um 30 Prozent. Das Tempo des Artenverlusts sei tausendmal höher als der „normale“ Verlust. Dabei lägen die weltweiten Einnahmen aus dem Tourismus jährlich bei etwa 700 Milliarden Dollar, der Umsatz mit aus Pflanzen hergestellten Medikamenten läge bei etwa 500 Milliarden Dollar und die Einnahmen aus Forstprodukten bei 15 Milliarden Dollar. „Wenn wir die Datenbank der Erde weiter in diesem Tempo löschen“, werde das wirtschaftlich nicht folgenlos bleiben.

Da Deutschland Gastgeber sein wird, will Gabriel die G-8-Präsidentschaft nutzen, um ein paar mögliche Erfolge vorzubereiten. Drei Vorschläge will er in Potsdam zur Debatte stellen. Wie der frühere Weltbankökonom Nicholas Stern die Kosten des Klimawandels denen eines Umsteuerns gegenübergestellt hat, soll eine ähnliche Studie über die Artenvielfalt in Auftrag gegeben werden. Zudem wünscht sich Gabriel ein Forschergremium, das mit einer ähnlichen Autorität wie der IPCC beim Klimaschutz, die wissenschaftlichen Grundlagen erarbeitet. Außerdem soll eine Datenbank, unter anderem mit den Gensequenzen von Pflanzen und Tieren, frei zugänglich gemacht werden, damit die Länder, in denen die meisten Arten leben, auch „davon profitieren können“.

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