Montis Herkulesaufgabe ist der Arbeitsmarkt.

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Montis Antrittsbesuch : Merkel lobt Italiens neue Regierung für Sparkurs

Überhaupt hat sich die politische Kultur Italiens in den erst acht Wochen, in denen Monti regiert, massiv gewandelt: Das zuvor alles bestimmende Parteien-Hickhack ist abgeklungen, die Show der Diven zu Ende. Die gegensätzlichen Kräfte im Parlament arbeiten zusammen. Das geschieht zwar eher zähneknirschend, der Notlage wegen, aber es beschert der Regierung eine in Italien bisher unerreichte Mehrheit.

Die Bürger bekommen einstweilen nur die Lasten zu spüren. Steuern steigen; der Benzinpreis liegt bei knapp 1,80 Euro pro Liter, und die kleinen Beiträge, die Monti den Reichen und den Steuerhinterziehern abringen durfte, tragen noch nicht zu einem Gefühl sozialer Gerechtigkeit bei. Trotz aller Opfer aber, so besagen es die Umfragen, stützt immer noch eine Mehrheit der Bürger den so andersartigen, äußerlich eher grauen als fernsehtauglichen Regierungschef.

Dieser will in den maximal 15 Monaten, die ihm längstens bleiben, Italien noch weiter verändern. Noch in diesem Monat sollen Liberalisierungsmaßnahmen die Wirtschaft in Schwung bringen. Dagegen bringen sich bereits die Lobbygruppen in Stellung, die von Italiens stark verkrustetem System leben – Apotheker oder Taxifahrer, berufsständische Vereinigungen aller Art. Unter deren Druck drohen die Parlamentsabgeordneten, die ja noch dieselben sind wie unter Berlusconi, genauso weich zu werden wie früher auch immer.

Der größte Konflikt indes droht mit den Gewerkschaften. Monti mutet sich die Herkules-Aufgabe zu, den versteinerten Arbeitsmarkt wieder zu beleben und Italiens jungen Leuten eine Chance zu geben: Von diesen hat jeder Dritte keinen Job; dieser Umstand aber hat vor Monti keinen Politiker ernsthaft interessiert.

Gegen Montis Pläne machen inzwischen die Gewerkschaften mobil, allen voran die linke CGIL. Im Frühjahr könnte es zu großen politischen Streiks kommen. Dann wird sich zeigen, wie weit die politischen Parteien tatsächlich hinter Monti und der von ihnen selbst seit Jahrzehnten verschleppten Reform Italiens stehen. In diesem Frühjahr wird sich beider Schicksal entscheiden.

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