Mord an Journalistin Caruana Galizia : Maltesische Polizei verhört Wirtschaftsminister

In den Fall um die durch eine Autobombe getötete Journalistin Caruana Galizia kommt etwas Bewegung. Im Visier der Polizei: Vertreter aus Politik und Wirtschaft.

Kerzen und Blumen stehen vor einem Foto der ermordeten Journalistin Caruana Galizia.
Kerzen und Blumen stehen vor einem Foto der ermordeten Journalistin Caruana Galizia.Foto: Lena Klimkeit/dpa


Im Zuge der Ermittlungen nach dem Mord an der Journalistin Daphne Caruana Galizia hat die Polizei in Malta am Samstag Wirtschaftsminister Chris Cardona vernommen. Cardona sei gebeten worden, einige Klarstellungen zu geben, „einschließlich zu Spekulationen, die es über ihn in der Vergangenheit gegeben hat“, sagte eine Sprecherin des Ministeriums. Cardona betrat das Polizeipräsidium gegen Mittag und verließ es bald darauf wieder.

Caruana Galizia, eine regierungskritische Bloggerin, war am 16. Oktober 2017 nahe ihrem Haus in Bidnija in ihrem Auto in die Luft gesprengt worden. Die 53-Jährige hatte unter anderem über Korruption bei Regierung und Geschäftsmännern auf Malta recherchiert. Drei Männer wurden festgenommen und angeklagt. Sie sollen den Sprengsatz gebaut und gezündet haben. Wer hinter ihnen steckte, ist bislang nicht klar.

Verdächtiger Geschäftsmann versucht zu fliehen

Am Mittwoch war ein prominenter Geschäftsmann festgenommen worden. Er wurde im Morgengrauen von der Küstenwache abgefangen, als er auf seiner Jacht bereits aus einer Marina nahe Valletta ausgelaufen war. Caruana Galizia hatte Monate vor ihrem Tod über dessen geheime Offshore-Gesellschaft namens „17 Black“ geschrieben, die führende Politiker des kleinsten EU-Landes geschmiert haben soll.

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Malta: Geschäftsmann wegen Mord an Journalistin festgenommen
Malta: Geschäftsmann wegen Mord an Journalistin festgenommen

Die Journalistin hatte auch Minister Cardona in ihrem Blog angegriffen. Dieser sagte der Zeitung „Malta Today“, die Polizei habe ihm vier Fragen gestellt, darunter auch, ob er in den Mord verwickelt sei oder einen kürzlich festgenommenen mutmaßlichen Mittelsmann kenne. „Meine Antwort war ‚Nein‘“, zitierte ihn die Zeitung.

Der am Mittwoch festgenommene Geschäftsmann kam am Samstag ins Krankenhaus, nachdem er über Schmerzen im Brustkorb geklagt hatte. Der Nachrichtensender TVM berichtete, er sei in eine Infarktabteilung im nationalen Mater-Dei-Hospital gebracht worden. Laut „Times of Malta“ bat der Mann bereits um Straffreiheit im Austausch für Informationen über den Mord. (dpa)

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