Mord an maltesischer Journalistin : "Das war eine mafiöse Exekution"

Der Sprengstoff der Autobombe, die Daphne Caruana Galizia tötete, stammte vermutlich aus Italien. Ermittler vermuten, dass die Mafia an dem Verbrechen beteiligt ist.

Forensik-Experten an der Stelle der Explosion auf Malta.
Forensik-Experten an der Stelle der Explosion auf Malta.Foto: REUTERS

Noch ist unklar, wer hinter dem tödlichen Anschlag auf die maltesische Bloggerin Daphne Caruana Galizia steckt. Jetzt zitiert die italienische Zeitung „La Repubblica“ eine nicht näher genannte „qualifizierte Quelle“ aus Ermittlerkreisen mit dem Satz: „Das war eine mafiöse Exekution.“ Dafür spreche nicht nur die Tötungsmethode mit einer ferngezündeten Autobombe, sondern auch die Herkunft des Sprengstoffs, der vermutlich aus Italien stamme. Mit anderen Worten: Es könnte durchaus sein, dass für die Ermordung der 53-Jährigen Killer der italienischen Mafia angeheuert worden sind. Mit ferngezündeten Bomben sind in Malta in den vergangenen zwölf Monaten schon fünf Menschen getötet worden.

Vorläufig sind die Berichte über die italienische Spur reine Spekulation. Über die Herkunft des Sprengstoffs wird wohl erst das FBI zuverlässige Aussagen machen können. Beamte der US-Bundespolizei sollen bei der Aufklärung des Anschlags helfen. Tatsächlich gibt es zahlreiche kriminelle Verbindungen zwischen Malta und Italien. Dies zeigt auch die jüngste Festnahme von sechs Personen durch die italienische Polizei. Die Verhafteten werden des Erdöl-Schmuggels von Libyen nach Sizilien bezichtigt. Der Staatsanwaltschaft von Catania zufolge ist das Öl von Milizen des „Islamischen Staats“ an die libysche Küste gebracht und dort auf Schiffe gepumpt worden.

Mafiöse Verbindungen zwischen Malta und Italien

Der illegale Öl-Handel sei über Zwischenhändler in Malta erfolgt; zwei der Verhafteten haben einen maltesischen Pass. In der kommenden Woche führt die Antimafia-Kommission des italienischen Parlaments in Maltas Hauptstadt Valletta Anhörungen mit dortigen Ermittlern durch. Das Treffen ist seit Monaten geplant und hat nichts mit der Ermordung von Daphne Caruana Galizia zu tun. Grund für das Treffen sind die mafiösen Verbindungen zwischen Malta und Italien. Der Inselstaat ist mit seinen zehntausenden Offshore-Firmen nicht nur ein Paradies für Steuerhinterzieher und Geldwäscher aus ganz Europa geworden, sondern nach Erkenntnissen der italienischen Ermittler auch ein beliebter Rückzugsort für Drogenbarone der italienischen Mafia, insbesondere der ,Ndrangheta. Auch Waffenhändler und Schlepperbanden benutzen die Insel nach Angaben der Antimafia-Behörden als Drehscheibe.

Bei der Suche nach den Hintermännern des Mordes hat Maltas Regierungschef Joseph Muscat schwere Vorwürfe gegen die Opposition erhoben. Zwar wollte er nicht darüber spekulieren, wer hinter dem Anschlag auf die Bloggerin stehen könnte, das „Einfachste“ wäre jedoch für ihn, „mit dem Finger auf die Opposition zu zeigen“, sagte Muscat der „Repubblica“. Caruana Galizia habe sich in ihren letzten Artikeln mit dem Chef der oppositionellen Nationalistischen Partei, Adrian Delia, befasst, sagte Muscat. Der italienischen Zeitung „La Stampa“ sagte Muscat, die Journalistin habe Delia der „Geldwäsche, Prostitution und mehr“ bezichtigt. Überdies habe sie auf ihrem Blog geschrieben, dass sie Drohungen „von Leuten in der Opposition“ erhalten habe. Er könne dies aber nicht belegen.

In der „Repubblica“ bezeichnete Muscat Caruana Galizia erneut als „größte Gegnerin“. Sie habe ihn seit seiner Zeit als Oppositionsführer „angegriffen“. „Aber das war ihr Job“, betonte der Premier. Er versprach, die Täter zur Rechenschaft zu ziehen. (mit AFP)

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