Politik : Moskau gegen die Mullahs

Elke Windisch

Moskau - Irans Chefunterhändler Ali Laridschani hat nach den jüngsten Turbulenzen im Dauerhickhack um Teherans Kernforschungsprogramm mit Konsequenzen für den gesamten Handel mit Russland gedroht. Der Iraner hat dafür gleich zwei gute Gründe: Am Montag stoppte Moskau die Arbeiten am Kernkraftwerk in Buschehr, am Dienstag nickte UN-Botschafter Vitali Tschurkin schärfere Sanktionen gegen das Mullah- Regime und dessen atomare Ambitionen ab. Der Entwurf der neuen Iranresolution „erfüllt alle russischen Kriterien“, erklärte Laridschani.

Zu beiden Schritten rang Moskau sich aus politischen Gründen durch. Zwar machte Generalauftragnehmer Atomstroi für den Baustopp in Buschehr offiziell die angeblich schlechte Zahlungsmoral Irans verantwortlich. Teheran indes erklärte, alle Verpflichtungen aus dem Vertrag mit einem Volumen von fast einer Milliarde US-Dollar seien pünktlich bedient worden, bis Russland überraschend und einseitig die Zahlungsbedingungen geändert habe. Am Montag strich Moskau die für Ende März geplante Lieferung von 40 Tonnen Kernbrennstoff. Der Termin für die Inbetriebnahme – geplant war September – sei nicht mehr zu halten, sagte ein Sprecher des Baukonzerns Atomstroi.

Moskau habe sich massivem Druck aus dem Westen gebeugt, hieß es in iranischen Medien. In der Tat: Mit der Begründung, die Technologien könnten auch für militärische Zwecke verwendet werden, waren die USA gegen den Bau des Atomkraftwerks von Anfang an Sturm gelaufen. Dass Moskau sich jetzt zu einem Sinneswandel aufraffte, hat zum einem mit Imagepflege zu tun. Russland, so der Militärexperte Alexander Goltz, könne nicht einerseits auf einen Status als international anerkanntes politisches Schwergewicht wie einst die Sowjetunion drängen und sich andererseits dem Verdacht aussetzen, Staaten zu unterstützen, die sich illegal Zutritt zum Klub der Atommächte verschaffen wollen.

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