Die Grünen suchen Führung

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Müller, Lindner, Lucke & co. : Politiker 2015: Wer muss sich beweisen?

Für das grüne Führungsquartett wird das Jahr 2015 nicht einfach. Die beiden Parteivorsitzenden Simone Peter und Cem Özdemir müssen ihrer Partei beweisen, dass sie nach dem Schock bei der letzten Bundestagswahl zu Recht auf diesen Posten gewählt wurden. Ob das gelingt, wird sich im Herbst zeigen, wenn die Neuwahl des Parteivorstands ansteht. Auch die beiden Chefs der Bundestagsfraktion, Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter, stellen sich nach der Sommerpause turnusmäßig zur Wahl. Das erste Jahr nach der verpatzten Wahl lief für das Spitzenquartett nicht reibungslos. Peter und Özdemir nervten damit, dass sie sich ständig öffentlich widersprachen. Außerdem wurden sie mitverantwortlich dafür gemacht, dass die Grünen nach dem Asylkompromiss ein heillos zerstrittenes Bild abgaben. Einige sehnten sich bereits nach dem früheren Spitzenmann Jürgen Trittin, der sich nach seinem Rückzug aus der ersten Reihe immer noch in der Rolle des Welterklärers gefiel. Ende letzten Jahres zogen Peter und Özdemir schließlich die Notbremse: Nach einer internen Aussprache versprachen sie, sich künftig besser abzusprechen.

Inzwischen hört man auch aus der Partei versöhnlichere Töne. Peter, bisher eher blass geblieben, wird dafür gelobt, wie sie die Aufarbeitung des heiklen Pädophilie-Kapitels hinbekommen hat. Und Özdemir stößt mit seinem außenpolitischen Engagement bei der Frage, wie man die Terrormiliz IS bekämpft, zwar einige in der Partei vor den Kopf, verschafft sich bei anderen aber auch Respekt. Spannend wird, ob es auf dem Parteitag im Herbst 2015 ernst zu nehmende Herausforderer geben wird. Immer mal wieder wird der Name des charismatischen Landespolitikers Robert Habeck genannt, der im Moment Umweltminister und stellvertretender Ministerpräsident in Schleswig-Holstein ist. Diese Funktionen müsste er aufgeben, wenn er Parteichef werden wollte. Nicht ausgeschlossen ist, dass am Ende einfach die derzeitige Parteiführung bestätigt wird. Nach einer Zitterpartie für das Duo an der Fraktionsspitze sieht es derzeit auch nicht aus. Die machtbewusste Thüringerin Göring-Eckardt hat sich ein Netzwerk in der Fraktion aufgebaut, im Realoflügel ebenso wie bei den Linken. Und der Bayer Hofreiter, der anfangs bei seinen Auftritten vor der Kamera und bei Bundestagsreden deutliche Probleme hatte, hat inzwischen Tritt gefasst. Auf dem letzten Parteitag überraschte er auch viele in seiner Partei mit einer kämpferischen Rede zur Agrarwende. Klar ist: Wer es schafft, in diesem Jahr im grünen Führungsquartett zu bleiben, hat auch gute Chancen, die Partei in die Bundestagswahl 2017 zu führen. Cordula Eubel

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