Lucke braucht Zusammenhalt

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Müller, Lindner, Lucke & co. : Politiker 2015: Wer muss sich beweisen?

Zu den Formulierungen, die von Bernd Lucke 2014 öfter zu hören waren, gehört die gerne in Talkshows vorgetragene Replik des 52-Jährigen, er sei falsch zitiert worden. Zu Beginn des Jahres kann noch darauf gewettet werden, wie oft der Sprecher der AfD 2015 wird klarstellen wollen, dass seine Partei nicht in die rechte Ecke gehöre. Die zunehmende Hektik, mit der Lucke seine Erklärungsversuche unternimmt, hängt damit zusammen, dass es in der AfD gehörig brodelt. Zwar gelang es der Partei im vergangenen Jahr, zunächst ins Europaparlament und dann in die Landtage in Dresden, Erfurt und Potsdam einzuziehen. Doch statt anschließend den selbst proklamierten Anspruch als „kleine Volkspartei“ einzulösen, ist die Partei inzwischen in tiefe Grabenkämpfe verfallen. Ein Streitthema ist die Russlandpolitik: Während Vize-Parteichef Alexander Gauland einen moskaufreundlichen Kurs fährt, will Lucke angesichts der Ukraine-Krise „nicht bei den Russen beide Augen zudrücken“. Der Kern des gegenwärtigen Konflikts innerhalb der AfD besteht aber in ihrer Schwierigkeit, sich von rechtsextremen Positionen abzugrenzen. Wie unterschiedlich die AfD-Mitglieder ticken, zeigt schon ein Blick auf die sieben EU-Abgeordneten. Da gibt es einerseits die Abgeordnete Beatrix von Storch, deren Rhetorik immer wieder vom Duktus der Rechtspopulisten geprägt ist. Und da gibt es den Vize-Vorsitzenden des Industrieausschusses, Hans-Olaf Henkel, der auf seiner Website für ein „bürgerfreundliches ,Europa der Vaterländer’“ wirbt und eher gemäßigt in Erscheinung tritt. Auch ihr Verhältnis zu den vor allem in Dresden auftretenden
„Pegida“-Demonstranten ist für die AfD zum Spaltpilz geworden. Während einige Parteiobere wie Henkel auf Distanz zu „Pegida“ gehen, suchen andere wie Gauland deren Nähe. Lucke bemüht sich derweil, seiner Partei ein bürgerliches Antlitz zu geben und flüchtet sich angesichts der Debatte um den Umgang mit „Pegida“ in die Formulierung, die Sorgen von deren Anhängern seien „legitim“.

Doch inzwischen hat Lucke von solchen innerparteilichen Zerreißproben offenkundig genug. Formal ist der Europaabgeordnete aus Brüssel neben dem Publizisten Konrad Adam und der Fraktionsvorsitzenden der AfD im sächsischen Landtag, Frauke Petry, einer von drei gleichberechtigten Parteisprechern. Tatsächlich ist Lucke aber das Zugpferd der AfD. Deshalb will er bei einem Parteitag Ende Januar in Bremen auch eine Satzungsänderung herbeiführen, die ihn zum alleinigen Vorsitzenden machen würde. Klappt das nicht, steht Luckes Drohung im Raum, sich aus der Parteiführung zurückzuziehen. Albrecht Meier

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