• „Müssen zumindest die Kinder dort rausholen“ : Potsdamer Oberbürgermeister fordert sofortige Hilfe für Menschen auf Lesbos

„Müssen zumindest die Kinder dort rausholen“ : Potsdamer Oberbürgermeister fordert sofortige Hilfe für Menschen auf Lesbos

Mit Vertretern der Kirche und der Seebrücke war Potsdams Oberbürgermeister Schubert zu Besuch auf Lesbos. Was er dort gesehen habe, sei eine Schande für Europa.

Ein Junge weint am Strand des Dorfes Skala Sikamias nach seiner Ankunft aus der Türkei mit einem Schlauchboot.
Ein Junge weint am Strand des Dorfes Skala Sikamias nach seiner Ankunft aus der Türkei mit einem Schlauchboot.Foto: Angelos Tzortzinis/dpa

Potsdams Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) hat nach einem Besuch des Flüchtlingslagers Moria auf der griechischen Insel Lesbos die Bundesregierung zum sofortigen Handeln aufgefordert. „Wir müssen den aktuell 500 Flüchtlingskindern unter 14 Jahren, die ohne Eltern in Griechenland untergebracht sind, sofort helfen“, erklärte Schubert am Sonntag in Potsdam. „Durch die Grenzöffnung der Türkei in Richtung Griechenland droht die Lage in Griechenland zu eskalieren“, betonte er. „Wir müssen zumindest diese Kinder dort rausholen und ihnen eine Zukunft geben.“

„Die 140 Städte Sicherer Häfen in Deutschland haben ihre Hilfe angeboten“, erklärte Schubert weiter. Potsdam koordiniert das Netzwerk „Städte Sicherer Häfen“, das aus der Bewegung Seebrücke hervorgegangen ist. Bislang sei es Städten, die ihre Bereitschaft erklärt hätten, unbegleitete Minderjährige aus Griechenland aufzunehmen, nicht möglich, diese aufzunehmen, weil das Bundesinnenministerium dies nicht zulasse, betonte der Potsdamer Oberbürgermeister. Für Mitte März sei ein neuer Termin für ein Treffen mit dem Bundesinnenministerium angesetzt.

Man könne es nicht mehr bei Appellen belassen, hatte Schubert schon in seiner Nachricht auf Twitter betont. „Wir brauchen dringend entweder eine Bundesratsinitiative oder eine sofortige Lösung der Bundesregierung.“ Wer die Zustände etwa auf Lesbos gesehen habe, der wisse, dass nicht länger gewartet werden dürfe. „Das, was wir hier sehen, kann man eigentlich nur als eine Schande für Europa bezeichnen.“ Er erwarte, dass es nicht einfach nur Gespräche gebe, „sondern, dass es endlich Lösungen gibt“, sagte der Oberbürgermeister. „Wir haben lange genug geredet.“

Neben Schubert gehörten der Delegation Vertreter der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) und des Hilfsnetzwerks Seebrücke sowie der Bürgermeister der baden-württembergischen Stadt Rottenburg am Neckar, Thomas Weigel, an. In ihrer „Erklärung von Lesbos“ forderten sie unter anderem die sofortige Aufnahme aller unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge durch willige EU-Staaten.

Die Delegation hatte am Donnerstag zunächst Hilfsorganisationen in Athen besucht, am Freitag dann Moria auf Lesbos. Die Situation vieler Menschen in den überfüllten Migrantenlagern auf den griechischen Ostägäisinseln ist dramatisch. (dpa)

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