Nach dem Attentat von Straßburg : Spurensuche im Umfeld

Die Motive des Straßburger Attentäters sind weiter unklar. Die Ermittler setzen auf Erkenntnisse über den Bruder, der sich vor der Tat nach Algerien absetzte.

Der Straßburger Attentäter Chérif Chekatt wurde am Donnerstagabend von Polizisten erschossen.
Der Straßburger Attentäter Chérif Chekatt wurde am Donnerstagabend von Polizisten erschossen.Foto: dpa

Auch nach dem Tod des Straßburger Attentäters Chérif Chekatt stellte sich am Freitag weiter die Frage, in wie weit der 29-Jährige der radikalen islamistischen Szene zuzurechnen war. Frankreichs Innenminister Christophe Castaner erklärte bei der Wiedereröffnung des Straßburger Weihnachtsmarktes, dass das Bekenntnis der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) zur Tat des 29-jährigen Chekatt „vollkommen opportunistisch“ sei. Der IS hatte über das Sprachrohr Amaq den 29-Jährigen als einen seiner „Soldaten“ bezeichnet.

Für Chérif Chekatt wurde im Mai 2016 ein "Fiche S" angelegt

Chekatt, der am Dienstag vier Menschen in der Nähe des Weihnachtsmarktes in der Elsass-Metropole getötet hatte und zwei Tage später im Straßburger Stadtteil Neudorf von Polizisten erschossen wurde, war mit einem so genannten „Fiche S“ in der französischen Gefährderdatei geführt worden. Nach französischen Medienberichten stand er nach seiner Entlassung aus einer Gefängnishaft in Straßburg im Jahr 2015 unter verschärfter Beobachtung des Inlandsgeheimdienstes DGSI, bevor er dann im Mai 2016 wegen seiner islamistischen Radikalisierung in die „Fiche S“-Datei aufgenommen wurde.

Für die These, dass die tödlichen Schüsse in der Nähe des Straßburger Weihnachtsmarktes trotz der Radikalisierung von Chérif Chekatt nicht von langer Hand geplant waren, spricht die Vermutung, dass der 29-Jährige nach der Tat nicht bei Komplizen unterschlüpfen konnte. Bevor er sich am Donnerstagabend mit Polizisten ein Feuergefecht lieferte und dabei getötet wurde, hatte er sich in einer Lagerhalle versteckt.

Die Ermittler gingen am Freitag der Frage nach, ob Chekatt von seinem Umfeld zu der Bluttat von Straßburg angestiftet wurde oder ob es sich in erster Linie um eine Art Kurzschlussreaktion handelte, nachdem ihn die Polizei zuvor am Dienstagmorgen wegen versuchter Tötung festzunehmen versuchte. Am Freitag befanden sich sieben Personen aus seinem Umfeld in Polizeigewahrsam, darunter vier Familienmitglieder.

Ermittler wollen Näheres über mögliche Verwicklung des Bruders wissen

Auch sein älterer Bruder, der 34-jährige Sami Chekatt, wurde nach Angaben der Zeitung „Le Parisien“ in Algerien festgenommen. Nach den Angaben der Zeitung hatte sich Sami Chekatt bereits vor dem Attentat von Frankreich nach Algerien abgesetzt. Wie sein Bruder wurde er in der „Fiche S“-Gefährderdatei geführt. Den Angaben zufolge hatte er sich in stärkerem Maße radikalisiert als Chérif Chekatt. Die französischen Ermittler wollen nach der Festnahme nun von Sami Chekatt wissen, ob er über Anschlagspläne seines Bruders auf dem Laufenden war und ob er dabei möglicherweise logistische Unterstützung geleistet hat.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron wollte am Freitagnachmittag im Anschluss an den EU-Gipfel von Brüssel nach Straßburg reisen. Dort sprach er mit Angehörigen der Anschlagsopfer und begrüßte Mitglieder der Polizeieinheiten vor Ort.

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