Nach dem Brexit : Wieso die Handelsgespräche mit der EU scheitern könnten

Zum Auftakt der Verhandlungen zwischen Brüssel und London haben sich beide Seiten abgetastet. Das Ergebnis: Es passt nicht viel zusammen. Ein Kommentar.

Der EU-Chefverhandler Michel Barnier am Donnerstag in Brüssel.
Der EU-Chefverhandler Michel Barnier am Donnerstag in Brüssel.Foto: dpa

Der Anfang ist gemacht. Großbritannien und die EU haben am Donnerstag die erste Runde ihrer Gespräche über ein Handelsabkommen abgeschlossen. Auch wenn wegen des Zeitdrucks parallel über verschiedene Themen wie den Handel mit Waren und Dienstleistungen verhandelt wird, so heißt das noch lange nicht, dass die Gespräche auch zu einem guten Ende kommen müssen.

Der britische Premier Boris Johnson will die Gespräche, die für das Verhältnis zwischen London und dem Kontinent nach dem Ende der laufenden Übergangsphase entscheidend sein werden, noch in diesem Jahr durchziehen. Nachdem er im vergangenen Jahr mit dem Mantra „Get Brexit done“ die Parlamentswahlen gewonnen hat, möchte er nun auch beim Handelsvertrag mit der EU schleunigst Vollzug melden.

Vor diesem Hintergrund haben sich beide Seiten beim Auftakt der Verhandlungen in Brüssel erst einmal abgetastet. Ihre jeweiligen Trümpfe – die Briten können den Zugang der Europäer zu ihren Fanggründen erheblich einschränken, während die EU über den Zugang britischer Finanzinstitute zum Binnenmarkt bestimmt – werden London und Brüssel wohl erst später ausspielen.

Aber schon jetzt ist klar, dass die Vorstellungen des EU-Chefverhandlers Michel Barnier und des britischen Verhandlungsführers David Frost über das künftige Verhältnis überhaupt nicht zusammenpassen: Die EU will ein ganz umfassendes Abkommen inklusive Vereinbarungen zur inneren und äußeren Sicherheit. Die Briten bevorzugen hingegen eine Vereinbarung nach dem Vorbild des Ceta-Vertrages mit Kanada. Deshalb ist es durchaus denkbar, dass die Verhandlungen scheitern. Mit der Folge, dass auf beiden Seiten ab Anfang kommenden Jahres Zölle erhoben werden.

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