Nach der Hessenwahl : Die SPD muss sich entgiften

Die SPD muss mehr Solidarität wagen - und sich auf Lösungen für die wesentlichen Themen konzentrieren. Ein Kommentar.

Betretene Gesichter nach der Wahl: Der SPD-Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel (r.) und Nancy Fäser, Generalsekretärin der Hessen-SPD.
Betretene Gesichter nach der Wahl: Der SPD-Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel (r.) und Nancy Fäser, Generalsekretärin der...Foto: REUTERS/Thorsten Wagner

Was für ein Tag. Der Tag nach - ja, was? Nach dem zumindest vorläufigen Ende der SPD, wie wir sie kennen und sie sich selbst kennt: als Volkspartei. Jedenfalls kann sie den Anspruch gegenwärtig nicht erheben; es sei denn, er würde dann auch Grünen und AfD zugestanden, die zahlenmäßig in Umfragen vor den Sozialdemokraten liegen.

Vierte Kraft - wie das klingt. Wo soll die Kraft herkommen? In der Groko hat sie so viel verloren, dass es einer politischen Schwindsucht gleichkommt. Also was tun? Sich entgiften. Das gilt für die SPD augenfällig mehr als für die anderen Parteien. 

Keine Kraft im Gegeneinander vergeuden

Das bedeutet konkret: Um zu gesunden, muss die SPD beginnen, sich zu bescheiden; und ihre Führungsmitglieder müssen das in ihrem Verhalten vor allem. Die Lage ist schließlich so, dass keine Kraft im Gegeneinander mehr vergeudet werden darf. Das Miteinander zählt - auch weil es ein gutes Wort dafür in der SPD gibt, Kern der anderthalb Jahrhunderte: Solidarität. Die allerdings muss an ihr, der Partei, erfahrbar sein, um zu wirken, muss vorgelebt werden, damit man es ihr glaubt.

Ohne innere Solidarität keine äußere, im Blick auf die weniger gewordenen Wähler: äußerste Solidarität. Zumal wesentliche Herausforderungen, um einmal nicht Probleme zu sagen, in der Gesellschaft mit solidarischem Denken besser zu lösen sind. Und das bezieht sich auf die Themen, die die SPD gerade nach vorne stellt: Wohnen, Verkehr, Bildung. Alles zusammengenommen ist nämlich, vernetzt gedacht, Voraussetzung für das Gelingen von Arbeit 4.0.

Politiker sind noch Volksvertreter

Die Erkenntnis, dass neuer Wohnraum geschaffen werden muss; die Einsicht, dass der Verkehr der Zukunft nicht von gestern sein kann; die Entscheidung, dass die Vermittlung von Wissen genauso zu revolutionieren ist wie das Wissen selber - wer die Bedürfnisse des anderen mitdenkt, wird sich dem weniger verschließen. Der Rest ist Politik, ist, genauer, ihr Wesensgehalt: Erklären, erklären, erklären und darum werben, dass die Wähler den Vorstellungen folgen mögen. Demütig im Sinne der Menschen, für die Politik da zu sein vorgibt. Politiker zumal, sind sie doch Volksvertreter.

Die Konzentration auf - vorrangig - drei Themen, die nachhaltig und miteinander weiter bearbeitet werden, würde zumindest vom Willen zeugen, Lösungen voranzutreiben. Lösungen, die der SPD nur noch von erschreckend Wenigen zugetraut werden. Die aber für mehr als die 15 Prozent wichtig sind, bei denen die SPD zurzeit steht.

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