Nach Fahrt zum KZ Buchenwald : Schüler spielen antisemitische Lieder

Auf der Rückfahrt von einer KZ-Gedenkstätte sollen drei 14-Jährige antisemitische Lieder gespielt haben. Die Schule erstattet Anzeige.

Erinnerung an den Holocaust: Mahnmal in Berlin. In Jerusalem warnt eine Konferenz vor weltweit wachsendem Antisemitimus.
Erinnerung an den Holocaust: Mahnmal in Berlin. In Jerusalem warnt eine Konferenz vor weltweit wachsendem Antisemitimus.Foto: Silas Stein/dpa

Drei Schüler aus dem hessischen Grünberg sind von ihrer Schule angezeigt worden, weil sie auf der Rückfahrt von einem Besuch im ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald antisemitische Lieder abgespielt haben sollen. Es werde wegen des Verdachts der Volksverhetzung gegen die 14-Jährigen ermittelt, sagte ein Polizeisprecher in Gießen am Montag.

Der Kreis Gießen stellte sich in einer Mitteilung an die Seite der Schulleitung. Da es um den Verdacht der Volksverhetzung gehe, sei die richtige Konsequenz gewählt worden.

Den Angaben des Landkreises zufolge wurde die Theo-Koch-Schule mehrfach für ihre Arbeit in der Extremismus-Prävention ausgezeichnet. In den neunten Klassen werde seit Jahren ein viermonatiges Projekt zur Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus durchgeführt. Der Vorfall verdeutliche die Wichtigkeit von Initiativen gegen Fremdenfeindlichkeit, Diskriminierung und Gewalt.

Ebenfalls am Montag warnte der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, in Jerusalem vor Judenhass auch jenseits radikaler Gruppierungen.

Der Antisemitismus werde nicht nur von Extremisten im Netz befeuert, sondern auch von Menschen aus der „sogenannten Mitte unserer Gesellschaften, die an ihrer Ablehnung des Judentums keinen Zweifel lassen“, sagte Klein dem Redemanuskript zufolge am Montag in Jerusalem. Er sprach anlässlich der Konferenz „Wachsender Antisemitismus – die neue Realität für Juden weltweit“.

Klein: Bekämpfung des Antisemitismus als „gesamtgesellschaftliche Aufgabe“

Es sei wichtig, die Bekämpfung des Antisemitismus nicht nur den jüdischen Mitmenschen zu überlassen, sie dürften sich nicht alleingelassen fühlen, sagte Klein weiter. „Ganz im Gegenteil, wir müssen dies als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstehen, egal welcher Konfession oder politischen Richtung wir angehören.“ Im Interview mit dem Tagesspiegel mahnte Klein im September zum Handeln, nachzulesen hier.

Israels Präsident Reuven Rivlin hatte zu der Konferenz gegen Antisemitismus eingeladen. „Das ist nicht nur ein jüdisches Problem, das ist ein Problem für die ganze Menschheit, ohne Graubereiche und mit Null Toleranz“, schrieb Rivlin auf Twitter.

Juden in Deutschland sehen sich häufiger angefeindet als in anderen EU-Staaten

Die Teilnehmer gedachten damit auch der Pogromnacht am 9. November 1938. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 steckten Nationalsozialisten in ganz Deutschland Synagogen, jüdische Geschäfte und Wohnungen in Brand und misshandelten, verschleppten und ermordeten jüdische Bürger.

Nach einer Ende 2018 veröffentlichten Umfrage im Auftrag der EU-Grundrechteagentur fühlen sich Juden in Deutschland deutlich häufiger angefeindet als in anderen EU-Staaten. 41 Prozent der Befragten in Deutschland gaben dabei an, im zurückliegenden Jahr Opfer einer Belästigung geworden zu sein, die gegen sie als Juden gerichtet war. Im EU-Durchschnitt lag der Wert bei 28 Prozent. Drei Viertel der Juden in Deutschland verzichtete demnach auf das Tragen jüdischer Symbole in der Öffentlichkeit. (dpa)

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