Nach Freilassung in der Türkei : Steudtners Berliner Gemeinde "im Glückstaumel"

Nach der Freilassung des Menschenrechtlers sind seine Freunde in Prenzlauer Berg erleichtert. "Der Alptraum hat ein Ende", sagt der Regierende Bürgermeister.

Florian Schumann
Peter Steudtner nach seiner Freilassung aus dem Silivri-Gefängnis bei Istanbul
Peter Steudtner nach seiner Freilassung aus dem Silivri-Gefängnis bei IstanbulFoto: YASIN AKGUL/AFP

"Wir sind noch komplett überfordert", fasst es ein Gemeindemitglied am Morgen zusammen. Er möchte ungern mit Namen in der Zeitung stehen - zu groß wohl die Furcht, nun mit Forderungen nach Reaktionen überrannt zu werden. Doch die Erleichterung ist riesig in Steudtners Gemeinde in der Prenzlauer Berger Gethsemanekirche - "Wir sind im Glückstaumel." Er selbst habe von der Freilassung selbst erst am Morgen im Radio erfahren und könne es noch gar nicht fassen, sagt der Mann am Telefon. "Jetzt erholen wir uns erst einmal von den Strapazen der letzten Wochen." Am Vormittag will sich der Gemeindevorstand versammeln, um die nächsten Schritte zu beraten. Und wohl auch, um Steudtners Ankunft zu Hause vorzubereiten.

Bislang hielt die Gemeinde in der Gethsemanekirche jeden Abend Fürbitte ab für Steudtner und seine Mitangeklagten. Ob diese Andachten nun weitergeführt werden - auch das wird vielleicht Thema der Gemeindesitzung sein. Denn viele der als "Istanbul10" bezeichneten Gruppe befinden sich noch immer in türkischer Haft.

Die Haftentlassung von Peter Steudtner in der Türkei ist von Familie und Unterstützerkreis des deutschen Menschenrechtlers mit großer Erleichterung aufgenommen worden. Steudtner und der mitangeklagte schwedische Aktivist Ali Gharavi unterstützten gewaltfreie Menschenrechtsarbeit, betonten sie in einer gemeinsamen Erklärung. Diese sei für alle fundamental: „Wir sind froh, dass die beiden diesen Faden nun hier zuhause wieder aufgreifen können.“ Zugleich appellierten sie an die deutschen Medien, jetzt die Privatsphäre der Familie zu achten.

Auch der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) dankte vor allem der Kirchengemeinde. "Ich danke allen, die sich in der vergangenen Zeit mit Peter Steudtner solidarisiert haben, insbesondere auch den Mitgliedern der Gethsemanegemeinde, die wieder und wieder mit Fürbitten an sein Schicksal erinnert haben." Zudem zeigte er sich erleichtert über die Freilassung des Menschenrechtlers. "Der Alptraum hat ein Ende. Nach Wochen und Monaten einer ungerechtfertigten Inhaftierung hat das Gericht in Istanbul die Haft von Peter Steudtner endlich aufgehoben. Wir freuen uns, dass der Menschenrechtler bereits heute wieder in Berlin sein wird, und sind wie seine Familie erleichtert darüber, dass er nach der langen Zeit der Ungewissheit wieder in Freiheit ist."

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