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Nach Hotel-Anschlag in Kabul : Linken-Politikerin fordert Verzicht auf Abschiebeflug

Ulla Jelpke (Linke) fordert nach dem tödlichen Anschlag auf ein Hotel in Kabul, aufgrund der schlechten Sicherheitslage auf einen Abschiebeflug nach Afghanistan zu verzichten.

Afghanische Sicherheitskräfte riegelten das Hotel Intercontinental in Kabul ab.
Afghanische Sicherheitskräfte riegelten das Hotel Intercontinental in Kabul ab.Foto: REUTERS

Bei dem Anschlag auf ein internationales Hotel in der afghanischen Hauptstadt Kabul hat es auch ein deutsches Todesopfer gegeben. Dies teilte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes am Montag in Berlin mit, ohne nähere Angaben zum Opfer zu machen. Die Angehörigen würden informiert. Wie die Sprecherin weiter mitteilte, gibt es keine Hinweise auf andere deutsche Verletzte. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur handelt es sich bei der getöteten Deutschen um die Mitarbeiterin einer internationalen Hilfsorganisation.

Die afghanischen Behörden bezifferten die Anzahl der Todesopfer nach einem 17 Stunden langen Taliban-Angriff zuletzt auf 19. Ein verletzter Afghane sei in der Nacht gestorben, sagte ein Sprecher des Innenministeriums, Nasrat Rahimi, am Montagmorgen.
Außerdem waren bei dem Angriff, der am späten Samstagabend begonnen hatte, alle sechs Angreifer getötet worden. Ein Mitarbeiter des Gesundheitsministeriums sagte, bisher seien 22 Leichen in Krankenhäuser gebracht worden. Die Zahl beinhalte aber möglicherweise Leichen von Attentätern.

Augenzeugen kritisieren die Opferzahlen der Regierung als schwer untertrieben

Augenzeugen hatten am Sonntag die Angaben der afghanischen Regierung als schwer untertrieben kritisiert. Regierungssprecher sind dafür bekannt, dass sie Opferzahlen für die Öffentlichkeit klein halten.
Die Zahl der bisher als Ausländer identifizierten Opfer stehe weiterhin bei 14, sagte Nasrat Rahimi. Es könne aber noch dauern, bis alle identifiziert sein. Drei hätten keine Papiere bei sich gehabt. Er korrigierte eine Angabe vom Vortag, wonach ein Kirgise ums Leben gekommen sei. Der Mann sei Kasache. Ein Sprecher des kasachischen Außenministeriums, Anuar Zhainakov, bestätigte das über Facebook.

Es blieben aber weitere Lücken und Diskrepanzen. Nach afghanischen Angaben sollen zum Beispiel neun Ukrainer umgekommen sein. Die ukrainische Regierung hatte am Sonntag aber nur sechs bestätigt. Für zwei tote Venezolaner gab es am Montag noch keine offizielle Bestätigung. Ein für tot erklärter griechischer Pilot rief am Montagmorgen den griechischen TV-Sender Skai an und beschrieb, wie er sich vor den Angreifern in seinem Zimmer versteckt hatte.
Der Großteil der Opfer hatten für die afghanische Fluglinie Kam Air gearbeitet, die das Hotel als Basis für internationalen Angestellte genutzt hatte. Kam Air kündigte Verspätungen und Flugstreichungen an.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hat den Angriff in der Nacht zum Sonntag auf das Hotel Intercontinental in der afghanischen Hauptstadt Kabul verurteilt. De Maizière sprach am Montag in Berlin von einer "feigen und widerwärtigen Attacke". Bei dem Angriff waren mindestens 22 Menschen getötet worden, darunter nach Angaben der Bundesregierung auch eine Deutsche.

Der Bundesinnenminister verurteilt den Angriff

"Meine Gedanken sind bei den Verletzten und den Angehörigen der Opfer", erklärte dazu de Maizière. Er kündigte an, Deutschland und die internationale Gemeinschaft würden Afghanistan weiter beim Kampf gegen "radikale Kräfte" unterstützen.
Die Linken-Politikerin Ulla Jelpke forderte angesichts der schlechten Sicherheitslage in Afghanistan, auf einen am Dienstag geplanten neuen Abschiebeflug von Deutschland nach Afghanistan zu verzichten und rief zu Protesten dagegen auf. Sie verwies auf fast tägliche Anschläge und Gefechte auch in von der Bundesregierung als angeblich sicher eingestuften Regionen Afghanistans.
"Es ist eine Abschiebung nicht nur in den Krieg, sondern möglicherweise direkt in den Tod", kritisierte Jelpke. Nach ihren Angaben soll am Dienstag auch ein junger Mann abgeschoben werden, der in Afghanistan wegen einer vorehelichen Liebesbeziehung zum Tod durch Steinigung verurteilt worden sei. "Das ist ein an Zynismus kaum zu überbietender Skandal", erklärte die Linken-Politikerin. (AFP/dpa)

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