Nach Kritik an Afrin-Offensive : Türkische Polizei nimmt Chef des Ärztebundes fest

Die türkische Polizei hat acht Mitglieder des türkischen Ärztebundes festgenommen, die sich kritisch über die türkische Offensive in Afrin geäußert hatten. Staatschef Erdogan hatte sie daraufhin "Verräter" genannt.

Ein gepanzertes Fahrzeug der türkischen Armee patrouilliert der Grenzregion Kilis.
Ein gepanzertes Fahrzeug der türkischen Armee patrouilliert der Grenzregion Kilis.Foto: REUTERS

Nach Kritik an der türkischen Offensive gegen die syrischen Kurden in Afrin sind acht Mitglieder des türkischen Ärztebundes (TTB) festgenommen worden. Wie die Nachrichtenagentur Anadolu am Dienstag berichtete, war unter den Festgenommenen auch TTB-Chef Rasit Tükel. Die Staatsanwaltschaft hatte Ermittlungen gegen den Verband eingeleitet, nachdem der TTB in der vergangenen Woche "Krieg" als "öffentliches Gesundheitsproblem" bezeichnet hatte. Staatschef Recep Tayyip Erdogan hatte die TTB-Vertreter am Sonntag als "Verräter" bezeichnet.

Seit dem Beginn der Offensive wurden in der Türkei bereits mehr als 300 Menschen wegen "Terrorpropaganda" festgenommen. Das Innenministerium in Ankara hatte am Montag mitgeteilt, dass die Zahl der Festnahmen auf 311 gestiegen sei. Bereits in den ersten Tagen nach Beginn der Operation "Olivenzweig" am 20. Januar waren bei landesweiten Razzien dutzende Verdächtige inhaftiert worden. Den Festgenommenen wird vorgeworfen, in den sozialen Medien "Propaganda" für die von Ankara als Terrororganisation eingestuften kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) zu betreiben.

Die Türkei betrachtet die YPG als syrischen Zweig der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), die seit 1984 im Südosten Anatoliens gegen den Staat kämpft. Mit der Operation will Ankara nun die YPG-Kämpfer aus Afrin vertreiben. (AFP)

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