Nach plötzlicher Erkrankung : Nawalny beantragt Ermittlungen wegen Vergiftung

Erlitt Kremlkritiker Alexej Nawalny einen Allergieschock - oder wurde er vergiftet? In dieser Frage will er jetzt offiziell ermitteln lassen.

Alexej Nawalny, Oppostionspolitiker aus Russland, kommt am 24. Juli 2019 in einen Gerichtssaal.
Alexej Nawalny, Oppostionspolitiker aus Russland, kommt am 24. Juli 2019 in einen Gerichtssaal.Foto: Pavel Golovkin/AP/dpa

Der inhaftierte russische Oppositionspolitiker Alexej Nawalny hat im Fall seiner mutmaßlichen Vergiftung offizielle Ermittlungen beantragt. Der 43-Jährige habe eine chemisch-toxikologische Untersuchung erbeten, teilte sein Anwalt Wadim Kobsew im Kurznachrichtendienst Twitter am Donnerstag mit. Zudem sollten Aufnahmen der Videoüberwachung in der Arrestzelle ausgewertet werden. Dort verbüßt Nawalny seit Ende Juli eine 30-tägige Strafe wegen Aufrufs zu Protesten gegen die Nichtzulassung Oppositioneller bei der Wahl zum Moskauer Stadtparlament am 8. September.

Der Anti-Korruptions-Kämpfer war in dieser Woche kurzzeitig im Krankenhaus, nachdem er einen Ausschlag und Schwellungen im Gesicht bekommen hatte. Nawalny bezweifelt die Diagnose der Ärzte, wonach er womöglich Nesselfieber gehabt habe. Menschenrechtler beklagen immer wieder teils lebensgefährliche Zustände in russischen Gefängnissen.

Das Team Nawalnys brachte indes neue Enthüllungen - diesmal gegen die stellvertretende Moskauer Bürgermeisterin Natalja Sergunina. In ihrem familiären Umfeld sei ein Vermögen von 6,5 Milliarden Rubel (rund 92 Millionen Euro) gefunden worden. Nawalnys Team warf ihr vor, öffentliches Eigentum zu plündern. Sergunina zeichne verantwortlich für die Wahlen und versuche, wegen der Korruptionsenthüllungen die Opposition an der Teilnahme bei der Abstimmung zu hindern.

Die Opposition will an diesem Samstag in Moskau einmal mehr für die Zulassung zur Wahl demonstrieren. Bei nicht genehmigten Protesten am vergangenen Samstag kam es zu massiver Polizeigewalt und mehr als 1400 Festnahmen. Das brutale Vorgehen der Polizei gegen friedliche Demonstranten löste international Kritik aus. (dpa)

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