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Nach Scholz-Interview : SPD-Führung warnt vor Kanzlerkandidaten-Debatte

Mehrere führende SPD-Politiker haben sich gegen eine Kanzlerkandidaten-Debatte ausgesprochen. Olaf Scholz hatte zuvor gesagt, er traue sich den Job zu.

Andrea Nahles und Olaf Scholz im Willy-Brandt-Haus in Berlin.
Andrea Nahles und Olaf Scholz im Willy-Brandt-Haus in Berlin.Foto: imago/Reiner Zensen

Führende Sozialdemokraten haben die Partei vor einer Kanzlerkandidaten-Debatte gewarnt. Sie reagierten damit auf ein Interview, in dem Vizekanzler Olaf Scholz die Frage bejaht hatte, ob er sich den Kanzlerposten denn auch zutraut, für den er ohnehin stellvertretend bereitsteht.

„Das Letzte, was die SPD vor der so wichtigen Europawahl (im Mai) braucht, ist es, eine Kanzlerkandidaten-Debatte zu führen“, sagte der SPD-Landeschef von Nordrhein-Westfalen, Sebastian Hartmann, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. „Ich erwarte nach dem schwierigen Jahr 2018, dass sich alle Vertreter der Parteiführung auf die wesentlichen Dinge konzentrieren.“

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sagte der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“: „Im Moment stellt sich diese Frage innerhalb der SPD nicht besonders dringlich, denn bis zu der nächsten Bundestagswahl sind es noch mehr als zwei Jahre.“

Kritisch äußerten sich auch die Jusos: "Das ist der falsche Zeitpunkt, der falsche Mann und die falsche Methode", sagte Juso-Vize Katharina Andres der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung". Für sie sei SPD-Chefin Andrea Nahles die "erste Wahl", sagte Andres, "zumal es an der Zeit ist, dass die SPD eine Frau zur Kanzlerkandidatin macht".

Scholz: "Frage steht heute nicht an"

Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Ralf Stegner sagte dem „Handelsblatt“ mit Blick auf die Scholz-Äußerungen: „Im Zuge der programmatischen Erneuerung der SPD würde es uns guttun, wenn sich zum richtigen Zeitpunkt verschiedene Kandidaten mit unterschiedlichem Profil einem innerparteilichen Wettbewerb und einem Mitgliedervotum über die Kanzlerkandidatur der SPD stellen.“ Das wäre ein motivierender Vorwahlkampf, „der das Interesse einer breiten Öffentlichkeit für die Ideen der SPD wecken könnte“. Ein solcher Vorwahlkampf stehe aber erst später an.

Scholz war von der „Bild am Sonntag“ gefragt worden, ob er sich das Kanzleramt zutraue. „Ja. Frau Kramp-Karrenbauer hat gerade gesagt, dass von einer Parteivorsitzenden erwartet wird, dass sie sich das Amt zutraut. Für einen Vizekanzler der Bundesrepublik Deutschland gilt das Gleiche“, antwortete er. Ausdrücklich fügte Scholz hinzu: „Weder bei der Union noch bei uns steht diese Frage heute aber an.“

Trotz der schlechten SPD-Umfragewerte von rund 15 Prozent betonte Scholz, er halte einen Wahlsieg seiner Partei über mögliche CDU-Spitzenkandidaten wie Kramp-Karrenbauer oder Friedrich Merz für möglich. „Die SPD will den nächsten Kanzler stellen.“ Über sich selbst sagte Scholz, wenn man den Umfragen trauen dürfe, dann zähle er zu den Politikern mit hoher Unterstützung bei Bürgern und SPD-Anhängern.

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Im jüngsten ZDF-Politbarometer von Mitte Dezember lag Scholz bei der Beliebtheit deutscher Spitzenpolitiker auf Platz 5. Er war damit der angesehenste SPD-Politiker - dicht gefolgt von Außenminister Heiko Maas auf Platz 6. (dpa, AFP)

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