Nach Treffen in Schweden : Nordkorea droht mit Ende der Atomgespräche mit den USA

Pjöngjang wirft Washington feindselige Politik vor. Beide Seiten bewerten das jüngste Treffen höchst unterschiedlich.

Kim Myong Gil (M), nordkoreanischer Unterhändler, liest eine Erklärung vor der nordkoreanischen Botschaft in Stockholm.
Kim Myong Gil (M), nordkoreanischer Unterhändler, liest eine Erklärung vor der nordkoreanischen Botschaft in Stockholm.Kyodo News/AP/dpa

Einen Tag nach dem unklaren Ausgang neuer Verhandlungen mit den USA über sein Atomwaffenprogramm hat Nordkorea vorerst neue Gespräche ausgeschlossen. Das Außenministerium in Pjöngjang warf der US-Regierung am Sonntag vor, eine „feindselige Politik“ zu verfolgen und den Dialog für innenpolitische Zwecke zu nutzen. „Wir haben nicht die Absicht, solche widerlichen Verhandlungen wie jetzt zu führen, ehe die USA keinen substanziellen Schritt machen, um ihre feindselige Politik gegen Nordkorea komplett und unumkehrbar zurückzuziehen“, wurde ein Sprecher von den Staatsmedien zitiert.

Beide Seiten hatten am Samstag in Schweden nach einer rund sieben Monate langen Pause erstmals wieder verhandelt. Doch zogen sie eine höchst unterschiedliche Bilanz der gut acht Stunden langen Gespräche in Stockholm: Der Unterhändler Pjöngjangs sprach von einem Scheitern, das US-Außenministerium hingegen von guten Gesprächen, die in zwei Wochen fortgesetzt werden sollten.

Die kommunistische Regierung in Pjöngjang beschuldigte jetzt die USA, eine grundlose Geschichte zu verbreiten, wonach beide Seiten offen für neue Gespräche in zwei Wochen seien. Die Zukunft des Dialogs hänge von der US-Haltung ab. „Und die Frist dafür läuft Ende dieses Jahres ab.“

Der Ministeriumssprecher spielte damit auf die Bedingungen an, die Machthaber Kim Jong Un einige Wochen nach dem gescheiterten Gipfel mit US-Präsident Donald Trump im Februar in Vietnam gestellt hatte. Nordkorea leidet unter harten Sanktionen der Vereinten Nationen und der USA. Die US-Regierung will die Sanktionen jedoch beibehalten, solange das mit dem nordkoreanischen Atomprogramm verbundene Risiko nicht gebannt ist.

Scheitern der Nordkorea-Politik wäre ein Problem für Trump

Für Trump steht ein Jahr vor der US-Präsidentenwahl viel auf dem Spiel. Er ist mit den inzwischen drei persönlichen Treffen mit Kim ein Risiko eingegangen: Führt ihn der junge Machthaber an der Nase herum, um Zeit zu gewinnen? Oder könnte die Befriedung der koreanischen Halbinsel Trump sogar den Friedensnobelpreis einbringen?, wie der Präsident bisweilen zu hoffen scheint.

Trump stellt sich gerne als Verhandlungsgenie dar, als großen Dealmaker. Ein endgültiges Scheitern seiner Politik gegenüber Nordkoreas käme ihm vor der Wahl daher wohl sehr ungelegen, zumal er innenpolitisch wegen der Ukraine-Affäre zunehmend unter Druck steht. (dpa)

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