Nachfolge von John McCain : Cindy McCain gehört zu den Kandidaten

Die Witwe des verstorbenen US-Senators könnte auch sein politisches Erbe antreten. Ein Porträt.

Cindy McCain hat ihren verstorbenen Mann John seit fast vier Jahrzehnten auf dem politischen Parkett begleitet.
Cindy McCain hat ihren verstorbenen Mann John seit fast vier Jahrzehnten auf dem politischen Parkett begleitet.Foto: Ralph Freso/Getty Images/AFP

Sie wäre nicht die erste. Und ganz sicher nicht die letzte. Es gibt sogar Listen darüber, wie viele Ehefrauen den Sitz ihres verstorbenen Mannes im US-Kongress übernahmen. Laut dem Center for American Women and Politics waren es bisher 47, acht davon sind in den Senat nachgerückt, durch Wahl oder weil sie dazu bestimmt wurden, 39 ins Repräsentantenhaus. Wenn also Cindy Hensley McCain den Senatssitz ihres am Samstag verstorbenen Mannes übergangsweise bis zur nächsten Wahl 2020 „erben“ würde, wäre sie Senatorin Nummer neun.

Nun liegt diese Entscheidung erstmal nicht bei der 65-Jährigen, die seit dem Tod ihres Vaters im Jahr 2000 als Aufsichtsratschefin des Familienunternehmens Hensley & Company ohnehin ausgelastet ist – die Firma besitzt die Vertriebsrechte für den Budweiser- Brauer Anheuser-Busch, Cindy McCains Vermögen wird auf rund 200 Millionen Dollar geschätzt.

Die Entscheidung trifft Arizonas Gouverneur

Über die Nachfolge des Kriegshelden John McCain entscheidet Arizonas Gouverneur Doug Ducey. Und der wird sich gut überlegen, wen er möglicherweise gegen sich aufbringt. Denn die Fehde zwischen US-Präsident Donald Trump und John McCain scheint über dessen Tod hinaus fortzudauern. Und an der republikanischen Basis gibt es genug erzkonservative Wähler, die den bei vielen Liberalen beliebten McCain ablehnten, ja geradezu hassten, nicht nur, aber auch wegen seiner Kritik an Trump.

Ducey wird sich bald entscheiden, wahrscheinlich rasch nach der Beerdigung McCains am Wochenende. Sicher ist, es wird ein Republikaner sein, so schreibt es das Gesetz in Arizona vor. Dass der Gouverneur sich selbst ernennt, hat er bereits ausgeschlossen. Wen aber dann? Anders als andere Republikaner in Arizona (und im Weißen Haus) hat Ducey McCain nach dessen Tod gewürdigt, als Vorbild „für uns alle“. Daher halten es manche Beobachter für möglich, dass er die Witwe wählt. Aber auch andere Namen werden genannt, etwa die Vorsitzende der Luftfahrtvereinigung und ehemalige Botschafterin in Finnland, Barbara Barrett. In beiden Fällen wäre es die erste Senatorin aus Arizona.

Cindy McCain kämpft seit Jahren gegen Menschenhandel und Landminen. Zuletzt hatte sie mehrfach ihren krebskranken Mann vertreten, etwa bei der Münchner Sicherheitskonferenz 2018. Nach 37 Jahren an der Seite eines Polit-Junkies trauen ihr manche zu, dass sie sein Erbe antritt. Nur im Weißen Haus wäre man wohl wenig begeistert. Juliane Schäuble

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