Naher Osten : Iran gegen Israel: Schattenkrieg in Syrien

Israel gibt bekannt, iranische Ziele in Syrien zu attackieren. Warum der erbitterte Kampf zwischen Jerusalem und Teheran jetzt eskalieren könnte - eine Analyse.

Luftabwehr über Damaskus. Israels Armee hat eigenen Angaben zufolge iranische Stellungen angegriffen.
Luftabwehr über Damaskus. Israels Armee hat eigenen Angaben zufolge iranische Stellungen angegriffen.Foto: Ammar Safarjalani/XinHua/dpa

Ganz offen über das eigene Vorgehen gegen den Feind sprechen – so lautet Israels neue Strategie im Umgang mit dem Mullah-Regime. Deutlich wurde das in der Nacht zum Montag. Die Armee twitterte erstmals, dass sie soeben mit Angriffen auf iranische Ziele in Syrien begonnen habe. Zuvor hatten iranische Streitkräfte eine Rakete auf den Norden Israels abgefeuert, wiederum eine Reaktion auf einen Angriff auf Ziele in Damaskus.

Bisher war es üblich, dass sich die Armee nicht oder nur sehr selten zu Spekulationen äußert, Israel stecke hinter Angriffen auf Stellungen in Syrien. Nun wurde ganz offen über den Einsatz informiert. Unter anderem sollen iranische Geheimdienst- und Trainingsanlagen sowie ein Waffenlager nahe des internationalen Flughafens in Damaskus getroffen worden sein.

Israels neue Offenheit

Israels neue Offenheit ist vor allem als Warnung in Richtung Iran zu verstehen, seinen Einfluss in Syrien nicht weiter auszudehnen. Denn darin sieht der jüdische Staat eine ernsthafte Bedrohung für seine Sicherheit. Schließlich hat sich der Iran die Auslöschung Israels zum Ziel gesetzt.

„Wenn du der anderen Seite klarmachen willst, dass du entschlossen bist, dann kannst du entweder eskalieren, also stärker und raffinierter angreifen. Oder du kannst öffentlich drüber sprechen, was du tust“, analysiert der einstige nationale Sicherheitsberater Yaakov Amidror Israels Strategiewechsel.

"Tausende Ziele" angegriffen

Dieser kündigte sich bereits vor einigen Tagen an: So sprach der scheidende Armeechef Gadi Eisenkot in einem Zeitungsinterview erstmals von „Tausenden Zielen“, die während seiner Amtszeit im Zuge der Militäroperation gegen den Iran angegriffen worden seien.

Beobachter sehen im Vorgehen Israels auch ein Signal an Russland, dass Angriffe von Syrien aus nicht hingenommen werden. Dass die jüngsten Angriffe mit Moskau abgesprochen waren, schließt Experte Yaakov Amidror aus. „Wir haben nie mit Russland koordiniert und werden es auch nicht tun.“ Man sei aber vorsichtig, keine russischen Soldaten zu treffen und informiere im Vorfeld über Aktionen in bestimmten Gebieten.

Israel wirft dem Iran vor, eine Rakete gezielt Richtung Golanhöhen abgefeuert zu haben.
Israel wirft dem Iran vor, eine Rakete gezielt Richtung Golanhöhen abgefeuert zu haben.Foto: Jalaa Marey/AFP

Auch Irans Vorgehen ist neu. So waren es Berichten zufolge Teherans Truppen – und eben keine Stellvertreter – die am Sonntagnachmittag eine Mittelstreckenrakete aus syrischem Gebiet auf die von Israel annektierten Golanhöhen abfeuerten. Skifahrer auf dem Hermon-Berg im Norden filmten mit Handykameras, wie das Abfangsystem „Eiserne Kuppel“ die Rakete vom Himmel holte.

Der Iran denkt also offenkundig keineswegs daran, sein Auftreten in der Region zu überdenken. Immer wieder erklärt die Führung in Teheran mit Nachdruck, man werde sich aus Syrien nicht zurückziehen. Die Mullahs pochen darauf, Militärberater sowie „revolutionäre Kräfte und ihre Waffen“ bis auf Weiteres dort zu belassen. Der Iran begründet das so: Die Präsenz des Militärs ist legitim, weil die Einheiten auf Wunsch der Regierung in Damaskus im Land sind.

Syriens strategische Bedeutung

Israel hält das aber für einen Vorwand. In Wirklichkeit wolle die Islamische Republik dort eine Art Brückenkopf errichten, um so den jüdischen Staat von drei Seiten in die Zange zu nehmen. Neben Syrien hätte es Israel dann an der nördlichen Grenze mit der von Teheran hochgerüsteten libanesischen Miliz Hisbollah zu tun und im Süden mit der in Gaza herrschenden islamistischen Hamas.

Im Kampf gegen das „zionistische Gebilde“ besitzt Syrien also eine besondere strategische Bedeutung. Beobachtern zufolge versucht der Iran sich dort festzusetzen, um eine Art „schiitischen Halbmond“ zu schaffen. Der soll Teherans Einfluss vom Persischen Golf bis ans Mittelmeer sichern.

Genau das will Israel unter allen Umständen verhindern. Zumal Irans politische und militärische Elite dem jüdischen Staat quasi täglich mit Vernichtung droht. Syrien könnte nun zum Schlachtfeld zwischen Israel und Iran werden.

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