Neuer CDU-Generalsekretär : Paul Ziemiak: "Weil heute etwas Neues beginnt"

Kramp-Karrenbauer holt sich einen Mann aus dem gegnerischen Lager an die Seite. Trotz böser Gerüchte: Von den Erfahrungen des JU-Chefs kann sie nur profitieren.

Annegret Kramp-Karrenbauer, Bundesvorsitzende der CDU, steht mit dem neugewählten CDU Generalsekretär Paul Ziemiak
Annegret Kramp-Karrenbauer, Bundesvorsitzende der CDU, steht mit dem neugewählten CDU Generalsekretär Paul ZiemiakFoto: dpa

Annegret Kramp-Karrenbauer sieht sich zur Dekonspiration genötigt. Um ihren künftigen Generalsekretär gibt es so viele böse Gerüchte auf dem Hamburger Parteitag – dagegen hilft nur offenes Visier. Ja, berichtet Kramp-Karrenbauer, sie hat Paul Ziemiak schon vor der Wahl zur CDU-Chefin gefragt, ob er im Fall des Falles ihr Parteimanager werden würde. Ziemiak habe ihr aber gesagt, dass er schon alleine als Westfale ihre Konkurrenten unterstütze. „Das ist auch richtig so, dass man zu seinen Loyalitäten steht“, sagt sie. Aber spät beim Delegiertenabend „am Rand der Tanzfläche“ habe sie mit ihm noch einmal geredet. „Es fühlt sich immer noch richtig an.“ Diesmal sagte der JU-Vorsitzende zu.

Enttäuschte Merz-Anhänger streuen Gerüchte

Ziemiak kennt die bösen Gerüchte natürlich auch. Sie werden von Leuten in Umlauf gebracht, die auf Friedrich Merz gesetzt hatten. Zwischen dem ersten und dem zweiten Wahlgang zwischen den drei Bewerbern um den CDU-Vorsitz waren 67 Delegierte von Jens Spahn zu AKK umgeschwenkt. „Die hat sich Paul als Generalsekretär gekauft, und der hat ihr die JU-Stimmen gebracht“, behauptet einer der Enttäuschten. 

Die Zusage des 33jährigen löst allerdings auch ohne Verschwörungstheorien bei manchen Stirnrunzeln aus. Bisher kannte man ihn als Teil eines Triumvirats der Anti-Merkel-Stichler mit Spahn und Mittelstandschef Carsten Linnemann. Auch Ziemiak selbst geht auf diese Bedenken ein. „Wenn Du aus'm Sauerland kommst, dann kannst Du das doch schwer annehmen“, hätten ihn die eigenen Leute gewarnt. Er habe sich anders entschieden, „weil heute etwas Neues beginnt.“

Kramp-Karrenbauer will die Konkurrenten einbinden

Tatsächlich spricht für ihn aus Kramp-Karrenbauers Sicht ja gerade, dass ihr Nachfolger im Amt bisher im Lager ihrer Konkurrenten stand. Dass der Junge sich in der modernen politischen Kriegsführung per Twitter und Whatsapp auskennt, ist nur ein Seitenaspekt. Nein, die Merz-Anhänger einzubinden ist ihre erste schwere Aufgabe. Das muss bis zur Europawahl im Frühjahr gelingen, und es ist doppelt wichtig für die schwierigen Wahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg im nächsten Herbst. 

Ziemiak hat genau mit solchen Aufgaben Erfahrung. Er hat als JU-Chef die gemeinsame Jugendorganisation von CDU und CSU über stürmische Diskussionen in der Flüchtlingskrise hinweg vor der Spaltung bewahrt. Erst vor kurzem hatte ihn die JU dafür beim Deutschlandtag in Kiel mit einem historischen Rekordergebnis im Amt bestätigt.

In Hamburg kriegt er jetzt Wut der Unterlegenen ab: Nur knapp 63 Prozent gönnt ihm der Parteitag. Aber stellvertretend für die Chefin Prügel einzustecken gehört ja traditionell zur Jobbeschreibung des Generals. 

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