Neuer Fokus auf digitale Formate : CSU stellt traditionsreichen „Bayernkurier“ ein

Das CSU-Parteiorgan "Bayernkurier" wird eingestellt, die Christsozialen setzen stärker auf soziale Medien. Und was wird aus dem "Vorwärts"?

Das blaue Logo der Christlich Sozialen Union (CSU)
Das blaue Logo der Christlich Sozialen Union (CSU)Foto: dpa/Paul Kneffel

Eine konservative Stimme weniger. Nach 69 Jahren wird das CSU-Parteiorgan „Bayernkurier“ eingestellt. Generalsekretär Markus Blume hatte am Montag nach einer CSU-Vorstandssitzung in München angekündigt, dass die Bayern-Partei ihre Ressourcen künftig voll auf die digitale Kommunikation legen will. „Das ist ja nicht falsch. Diesen Weg beschreiten inzwischen viele, um sich in die neue Ära zu retten“, sagte der Dortmunder Zeitungsforscher Horst Röper dem Tagesspiegel und erinnert in diesem Zusammenhang an die Kirchenpublizistik. „Das kommt somit nicht überraschend.“

Der „Bayernkurier“ soll noch in diesem Jahr eingestellt werden. Die Parteizeitung war 1950 gegründet worden, Gründungsherausgeber und erster Chefredakteur war Franz Josef Strauß, der spätere Parteivorsitzende der CSU. Vor vier Jahren wurde aus dem „Bayernkurier“, der zuvor wöchentlich erschien, eine Monatspublikation. Die nationale Bedeutung hielt sich besonders in den vergangenen Jahren in Grenzen, für die CSU in Bayern war sie hingegen für lange Zeit ganz wesentlich, sagte Röper, der das Dortmunder Formatt-Institut leitet.

Das CSU-Präsidium will nun ausarbeiten, wie nach der Einstellung des Heftes „die neuen Möglichkeiten im Digitalen“ dafür umso stärker genutzt werden können. Entscheidend sei, wie man maximale Reichweiten erziele. In sozialen Netzwerken sei die CSU „nicht schlecht unterwegs“, man wolle aber deutlich besser werden, auch auf Youtube und anderen Kanälen. Dafür brauche man aber Ressourcen, die heute zum Teil anders gebunden seien. „Deswegen sind wir der Meinung, dass es notwendig ist, hier wirklich den Schalter umzulegen.“ Zwar sollten analoge Formate weiter dazugehören. „Aber die Zeiten, wo man sich ein sehr gut gemachtes Hochglanzmagazin leisten kann, während man im Digitalen tatsächlich noch weitere Gehhilfen braucht, diese Zeiten sind vorbei“, räumte Blume gegenüber dpa ein.

Ein nachvollziehbarer Schritt

Zeitungsforscher Röper hält diesen Schritt für nachvollziehbar. Die wirtschaftliche Basis für den gedruckten „Bayernkurier“ sei zurückgegangen (Auflage: 50 000 Hefte), aber die Strukturen könnten weiter genutzt werden: „Es gibt noch ein Archiv und andere Dinge von Wert, die so noch vermarktet werden können“, meinte er. Nach der Entscheidung zur Einstellung der CSU-Postille, stellt sich automatisch die Frage nach der Zukunft der SPD-Zeitschrift „Vorwärts“. „Auch beim ,Vorwärts‘ kann so etwas passieren, das ist klar“, stellte Röper fest. Eine Prognose will der Zeitungsforscher aber nicht wagen. „Das ist ja keine rein betriebswirtschaftliche Entscheidung, sondern eine, ob der Parteivorstand davon überzeugt ist und hinter dem Projekt steht.“ Röper verweist zudem auf die Unterschiede zum „Bayernkurier“. Die Auflage des „Vorwärts“ ist mit rund 375 000 Exemplaren größer, das führe zu geringeren Stückpreisen und damit relativ gesehen geringeren Redaktionskosten.

Die SPD-Publikation hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich: 2016 beging die älteste Parteizeitung Deutschlands ihr 140-jähriges Jubiläum. In dieser Zeit hatte der „Vorwärts“ mehrfach das Erscheinungsbild geändert, wurde zweimal verboten, 1989 sogar kurzzeitig eingestellt. Wie der „Bayernkurier“ wurde aus der einstigen Wochenzeitschrift ebenfalls ein monatliches Magazin.

Neben Publikationen wie dem „Vorwärts“ und dem „Bayernkurier“ gibt es in der Parteipublizistik Insider-Zeitschriften mit vierteljährlicher und halbjährlicher Erscheinungsweise, in denen größere Aufsätze und Essays publiziert werden. Damit wird allerdings kein Massenpublikum angesprochen, sondern eher die Strategen der Partei, die so über Hintergründe informiert werden, erläuterte Röper. „Diese Zeitschriften sind zwar für die Parteien wesentlich, spielen aber in einem anderen Markt.“ Kurt Sagatz

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