Nordirland : Protestantenpartei gewinnt Parlamentswahl

Die pro-britische Protestantenpartei DUP ist als stärkste Kraft aus der Parlamentswahl in Nordirland hervorgegangen. Die Partei des 80-jährigen Priesters Ian Paisley kam laut vorläufigem Endergebnis vom Freitag auf 36 Sitze.

Belfast/London - Zweitstärkste Kraft wurde die katholische Sinn Fein, mit 28 von insgesamt 108 Mandaten im Regionalparlament Stormont. In der früheren Unruheprovinz stehen die Parteien unter Druck, erstmals seit fünf Jahren wieder eine gemeinsame überkonfessionelle Regierung zu bilden. Eine dazu gesetzte Frist endet am 26. März.

Die DUP (Democratic Unionist Party) verbesserte ihr Ergebnis im Vergleich zur letzten Wahl 2003 um sechs Sitze auf 30,1 Prozent. Sinn Fein gewann vier Parlamentsmandate hinzu und kam auf 26,2 Prozent der Stimmen. 18 Mandate entfielen auf die gemäßigt-protestantische UUP, 16 auf die zweitgrößte pro-irische Partei SDLP. Die Wahlbeteiligung lag bei 63,5 Prozent.

Regierungsbildung mit Hindernissen

Neuer Regierungschef könnte der 80-jährige DUP-Vorsitzende Ian Paisley werden. Allerdings müssen bis zum Zustandekommen einer Regierung noch beträchtliche Hindernisse überwunden werden.

Der britische Premierminister Tony Blair und sein irischer Kollege Bertie Ahern forderten die nordirischen Parteien auf, den jahrzehntelangen Streit nun endgültig beizulegen. Die Chance auf eine Rückkehr zur Selbstverwaltung sei eine "Gelegenheit von historischen Ausmaßen", die nicht verpasst werden dürfe. Die Botschaft der Wähler sei eindeutig, "nach so vielen Jahren des Frusts und der Enttäuschung eine bessere Zukunft zu schaffen". Nordirland wird seit 2002 wieder von London aus verwaltet. Damals war die Regierung im Streit um die Untergrundbewegung IRA auseinander gebrochen.

Kompliziertes Wahlrecht

Wegen des komplizierten Wahlrechts waren erst am Freitagabend alle Stimmkreise ausgezählt. Allerdings gab es bereits zuvor kaum Zweifel daran, dass die DUP und die gesamt-irische Sinn Fein - der politische Arm der IRA - die klaren Gewinner sind.

Als aussichtsreichster Kandidat für den Posten des Ersten Ministers gilt der DUP-Vorsitzende Paisley, ein Pastor. Sein Stellvertreter von der Sinn Fein könnte der ehemalige IRA-Kommandant Martin McGuinness werden. Falls die Regierungsbildung misslingt, wollen London und Dublin das neu gewählte Parlament gleich wieder abschaffen. Dann würde die Provinz auf der seit 1921 geteilten Insel weiterhin von London aus verwaltet, aber mit einer erweiterten Rolle für die Republik Irland.

Grundlage für die jetzigen Wahlen ist das so genannte Karfreitagsabkommen von 1998. Vorausgegangen war ein jahrzehntelanger Bürgerkrieg, dem mehr als 3000 Menschen zum Opfer fielen. (tso/dpa)

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben