NS-Zeit : Überlebende von Kindertransporten werden entschädigt

Es waren intensive Gespräche. Doch nun ist klar: Überlebende der Kindertransporte werden von der Bundesregierung entschädigt.

Das Denkmal am Berliner Bahnhof Friedrichstraße erinnert an die Kindertransporte jüdischer Mädchen und Jungen 1938/39.
Das Denkmal am Berliner Bahnhof Friedrichstraße erinnert an die Kindertransporte jüdischer Mädchen und Jungen 1938/39.Foto: imago/Schöning

80 Jahre nach den ersten Kindertransporten jüdischer Minderjähriger ins sichere Ausland erhalten die Überlebenden eine einmalige symbolische Entschädigung von 2500 Euro.

Darauf einigten sich das Bundesfinanzministerium und die Jewish Claims Conference (JCC) in intensiven Gesprächen, wie beide Seiten am Montag mitteilten. Damit solle das "besondere Schicksal dieser Kinder gewürdigt werden", die noch in Friedenszeiten ihre Familien verlassen mussten - "in vielen Fällen, ohne sie jemals wiederzusehen", erklärte das Finanzministerium.

Mit den Transporten wurden rund 10.000 jüdische Kinder nach der Reichspogromnacht am 9. November 1938 aus Deutschland und von Deutschland annektierten oder besetzten Gebieten in sichere Staaten gebracht. In den meisten Fällen war das Großbritannien.

"Herzzerreißende Szenen auf Bahnsteigen"

Die Jewish Claims Conference hob die oft tragischen Umstände hervor, häufig habe es "herzzerreißende Szenen auf Bahnsteigen" gegeben, wo die Kinder oft aus den Armen ihrer Eltern gerissen wurden und diese in fast allen Fällen nie wieder gesehen hätten.

Mit der symbolischen Entschädigung erhielten die Überlebenden "jetzt ein kleines Maß an Gerechtigkeit", erklärte Stuart Eizenstat, Verhandlungsführer der JCC. Greg Schneider von der JCC ergänzte, damit sei eine "schmerzliche Lücke" in den Entschädigungsregelungen geschlossen worden.

Fonds startet am 1. Januar 2019

Die Verteilung der Mittel nimmt die JCC vor. Der Kindertransportfonds wird nach Angaben der JCC am 1. Januar starten.

Das Finanzministerium betonte, Deutschland stehe "auch weiterhin zu seiner historischen Verantwortung für die durch das NS-Unrechtsregime verfolgten Menschen". Jährlich werden demnach weiterhin Zahlungen von insgesamt über einer Milliarde Euro an die Überlebenden geleistet. Bis Ende 2017 wurden Entschädigungen für nationalsozialistisches Unrecht in Höhe von über 75 Milliarden Euro gezahlt. (AFP)

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