Weshalb außerdem gegen Brandt ermittelt wird

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Update
NSU-Prozess : Gefährliches Doppelspiel des Tino Brandt

Heute hält offenbar keiner mehr die Hand über Tino Brandt. Er wird aus Untersuchungshaft nach München gebracht. In Thüringen ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen ihn wegen des Verdachts auf Kindesmissbrauch, Förderung der Prostitution und Versicherungsbetrug. Eine längere Haftstrafe ist nicht auszuschließen.

Offen bleibt trotz mehrtägiger Aussage in München, was Brandt vom NSU wusste. Kannte er den Aufenthaltsort von Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe, die im Januar 1998 aus Jena verschwunden waren? Hat er sie gegenüber dem Verfassungsschutz gedeckt? Und war er womöglich an der Beschaffung von Waffen für den NSU beteiligt? Bis heute ist nur bei einem Teil des Schießgeräts der Terrorzelle klar, woher es stammt. Offenkundig ist hingegen, dass Brandt Geld des Nachrichtendienstes über einen Mittelsmann an die drei weiterreichen ließ.

Versuche des Verfassungsschutzes, über Brandt den drei Untergetauchten auf die Spur zu kommen, scheiterten. Weil Brandt sie nicht auffliegen lassen wollte? Auffällig ist jedenfalls, dass er nach seiner Enttarnung als Spitzel mit der rechten Szene kaum Probleme hatte. Brandt sagt zwar, nach 2001 seien 95 Prozent seines Freundeskreises weggebrochen. Doch noch 2007, das hält ihm am Mittwoch ein Nebenklage-Anwalt vor, seien die Sicherheitsbehörden an den Mitschnitt eines Gesprächs mit dem bundesweit bekannten Szeneanführer und NPD-Funktionär Thorsten Heise herangekommen. Die Polizei hatte in Heises Anwesen in Thüringen Waffen und Diktierkassetten beschlagnahmt. Auf den Bändern ist das Geplauder von Januar 2007 zwischen dem Ex-Spitzel und Heise zu hören. Der soll Brandt gelobt haben für den Aufbau rechtsextremer Strukturen in Thüringen. Heise soll auch gesagt haben, „ich glaube nicht, dass Du dem Verfassungsschutz Informationen gegeben hast, die die nicht schon hatten“. Brandt sagt, an das Gespräch könne er sich „nur noch sehr grob erinnern“. 

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