Politik : Obama-Fan macht Clinton zum „Diktator“

Christoph von Marschall

Washington - Der Kampf um die demokratische Präsidentschaftskandidatur wird persönlicher und härter. Öffentlich aber wollen Hillary Clinton und Barack Obama den Eindruck eines fair geführten Wettbewerbs wahren. Seit zwei Wochen kursiert bei der Internet-Videobörse Youtube ein Spot, der Hillary als Diktatorin im Stile von Orwells „1984“ porträtiert: Kolonnen in Sträflingskleidung werden über Monitore mit Clintons Bewerbungsrede berieselt, in der sie einen offenen Dialog verspricht. Ebenso eine graue Masse ohne jede Gefühlsregung in einem Saal. In Zwischenschnitten schwingt eine junge blonde Athletin einen Weitwurfhammer, der am Ende zielsicher den größten Monitor zerschmettert. 2008 ist nicht 1984, heißt es am Schluss. Nun sieht man, die Blonde trägt Werbung für Barack Obama. Vorlage des 74-Sekunden-Spots war ein Werbevideo der Computerfirma Apple aus den 80er Jahren.

Lange hatte Amerika gerätselt, wer der Urheber ist. Blogger fanden heraus: Phil de Vellis, bis vorgestern Angestellter der PR-Firma Blue State Digital, die für die Demokraten arbeitet. Sie hat auch Obamas offizielle Website gestaltet. De Vellis sagt, er sei ein Einzeltäter, ohne Verbindung zu Obama. Und der beteuerte öffentlich, nichts mit dem Video zu tun zu haben, das bereits rund zwei Millionen Mal im Internet angeklickt wurde.

Hillary lässt verbreiten, sie habe sich gut amüsiert. Dieses Video sei besser als jenes andere, in dem sie die Melodie der Nationalhymne nicht richtig traf. Anhänger von ihr haben bereits ein Gegenvideo mit den gleichen grauen Massen ins Netz gestellt. Die werden nun mit einer Obama-Rede berieselt. Am Ende outet er sich als Fan des Footballteams Chicago Bears. Die Bears haben verloren, Obama verliert 2008 gegen Hillary, ist hier der Schluss. Dieses Video erntete 380 000 Clicks.

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar