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„Ocean Viking“ : Rettungsschiff darf in Malta anlegen

14 Tage wartete die „Ocean Viking“ auf eine Anlegegenehmigung. Jetzt genehmigte Malta den Transit und sechs Länder erklärten sich zur Aufnahme bereit.

Joana Nietfeld
Das norwegische Schiff «Ocean Viking», das im Auftrag der französischen Hilfsorganisation «SOS Mediterranee» Flüchtlinge vor der libyschen Küste suchen soll.
Das norwegische Schiff «Ocean Viking», das im Auftrag der französischen Hilfsorganisation «SOS Mediterranee» Flüchtlinge vor der...Foto: dpa

"Alle Migranten werden in andere Mitgliedstaaten verteilt: Frankreich, Deutschland, Irland, Luxemburg, Portugal und Rumänien. Keiner wird in Malta bleiben", twittert Maltas Premierminister Joseph Muscat am Freitagmittag. Das Rettungsschiff "Ocean Viking" hatte zwei Wochen auf eine Anlegegenehmigung gewartet. Nach der Zusage wurde diese erteilt. "Wir freuen uns natürlich für diese 356 Menschen an Bord ungemein, dass sich eine Lösung abzuzeichnen scheint", sagt Jana Ciernioch von SOS Mediterranee. Aber diese Fall-zu-Fall-Entscheidung müssten sofort aufhören.

Während der 14 Tage hatte die "Ocean Viking", Rettungsschiff von Ärzte ohne Grenzen und SOS Mediterranee, in insgesamt vier Rettungsaktionen 356 Menschen gerettet, davon über 90 Minderjährige ohne Begleitung. Eigentlich war das Boot nur für 200 Menschen ausgelegt, "aber wir lassen ja keine Menschen vor unseren Augen ertrinken", sagte Max Avis von SOS Mediteranee in Marseille. Das Rettungsschiff hatte nur noch ausreichend Essensrationen für die Zeit bis Montagabend an Bord.

„Unfassbar wie traumatisiert alle sind“

Stephanie, die ihren Nachnamen nicht öffentlich nennen will, spricht von katastrophalen Zuständen. Sie ist medizinische Leiterin an Bord und sagt: "Die Menschen haben viel Gewalt erlebt, das bezeugen auch die vielen Wunden, die sie am Körper haben." Sie kämen mit Messerstichverletzungen, Verbrennungen von heißen Flüssigkeiten oder Plastik und Wunden von sexueller Gewalt an Bord. Es sei unfassbar, wie traumatisiert alle seien.

"Betrachtet man das Gesamtbild, ist es vorhersehbar, dass diese Menschen früher oder später mit gewissen Handlungen reagieren", sagte Stephanie, bevor sie von der Zusage Maltas erfuhr.

"Wir sind da, weil die Europäische Union ihrer Verantwortung in der Seenotrettung nicht gerecht wird", sagte Ciernioch. Mittelfristig brauche es ein verlässliches Ausschiffungssystem. "Langfristig fordern wir ein europäisches Such- und Rettungssytem im Mittelmeer."

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