Özdemir zum Diesel-Skandal : „Die einzige Lösung sind saubere Autos“

Die Autoindustrie hat Forschungen durch Abgasversuche mit Affen und mit Menschen finanziert - Cem Özdemir von den Grünen mahnt sie zur "Neuerfindung des Automobils".

Cem Özdemir
Cem ÖzdemirFoto: imago/IPON

Herr Özdemir, nach dem Diesel-Skandal ist nun auch publik geworden, dass die Autoindustrie Forschungen durch Abgasversuche mit Affen und mit Menschen finanziert hat. Was halten Sie davon?

Solche Methoden sind unfassbar. Sie dienen nur dem Versuch, veraltete Technologien zu retten. Aber man wird es nicht schaffen, den Leuten am Neckartor in Stuttgart, der schmutzigsten Kreuzung Deutschlands, zu erklären, dass sie gesunde Luft einatmen. So dumm ist keiner, da helfen auch solche skandalösen Versuche nicht. Die einzige Lösung ist, so schnell wie möglich saubere Autos zu entwickeln. Wenn es nach mir geht, am liebsten in Deutschland und nicht nur anderswo.

Welche Konsequenzen müssen aus dem Dieselskandal gezogen werden?

Die deutsche Autoindustrie hat einen dramatischen Glaubwürdigkeitsverlust erlitten. Aber ich glaube auch, dass wir die ökologische Transformation nur gemeinsam mit den Unternehmen hinbekommen. Die müssen selbst erkennen, dass das Geschäftsmodell der Zukunft die Neuerfindung des Automobils ist und dass große Potenziale im Angebot moderner Mobilitätsdienstleistungen liegen. Wenn die Industrie auf emissionsfreie Autos setzt, hat das positive Auswirkungen aufs Klima, aber auch auf den Erhalt der Arbeitsplätze.

Muss die Politik das stärker unterstützen?

Klar. Da gibt es viele Möglichkeiten, etwa bei der KfZ-Steuer. Wer Dreckschleudern kauft, sollte mehr bezahlen, wer emissionsfreie Autos anschafft, einen Bonus erhalten. Wir brauchen auch einen schrittweisen Abbau der Dieselsubventionen. Es macht keinen Sinn, gleichzeitig Elektromobilität und Diesel zu subventionieren.

Die Grünen besetzen im Bundestag künftig den Vorsitz des Verkehrsausschusses. Haben Sie Interesse an dem Job?

Die Aufgabe reizt mich ungemein und das Thema ist mir vertraut. Wenn meine Fraktion möchte, würde ich das gerne übernehmen. Ich finde es spannend, Mobilität der Zukunft konsequent zusammen mit Digitalisierung zu denken. Das hat der letzte Verkehrsminister Alexander Dobrindt leider völlig versäumt, er hat nur auf Straßenbau gesetzt. Der Mobilitätsbereich ist der Lackmustest dafür, ob wir Wirtschaft und Umwelt zusammenbringen können.


Cem Özdemir war Bundesvorsitzender der Grünen und Spitzenkandidat der Partei zur Bundestagswahl.

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