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Parteigründung angestrebt : Piraten für Griechenland gesucht

Der Wille etwas zu verändern ist mindestens ebenso groß wie die Zweifel am eigenen Projekt. Die Piraten wollen es lieber langsam angehen lassen. Oder, wie es Mariotti ausdrückt: „Erst mal festen Boden unter die Füße kriegen.“ Die Angst vor Kommunikationsdesastern ist groß. Zuerst soll Einigkeit herrschen, mit welchen Botschaften man werben will. Der griechischen Schwesterpartei fehlt das Ungestüme, Ungeduldige und Fordernde der deutschen Piraten.

Die Forderung der Berliner Piraten, den öffentlichen Nahverkehr zum Nulltarif anzubieten, löst in Athen beispielsweise Belustigung aus. Zu utopisch. „Man muss doch realistisch bleiben!“

Piratenpartei entert Berlin
Plötzlich Politiker: Wie die Piraten seit dem Einzug ins Abgeordnetenhaus ihr Leben umkrempeln. Alexander Morlang hatte seinen Chef bereits vorgewarnt – und Aufträge nur bis zum 18. September angenommen.Weitere Bilder anzeigen
1 von 22Foto: Mike Wolff
11.12.2011 17:52Plötzlich Politiker: Wie die Piraten seit dem Einzug ins Abgeordnetenhaus ihr Leben umkrempeln. Alexander Morlang hatte seinen...

In Athen haben sich die Ticketpreise im Zuge der rigorosen Sparpolitik in den vergangenen drei Jahren nahezu verdoppelt. Nicht, dass es Geld in die Kassen spülen würde – Schwarzfahren ist so weit verbreitet wie nie zuvor. Das demonstrative Zechprellen der „We don’t pay“-Bewegung ist zugleich Ausdruck leerer Haushaltskassen und politischer Protest.

Griechenland durchlebt eine Zeit des Wandels, wirtschaftlich und politisch. Im Februar sollen Neuwahlen abgehalten werden. Noch ist unklar, ob es dazu kommt. Bisher findet die Einheitsregierung in der Bevölkerung große Zustimmung. Gleichzeitig glauben fast 30 Prozent der Griechen, dass die Politiker und das verkrustete politische System die größte Last des Landes sind. Die Frage ist nun, ob sie einer neuen Partei größeres Vertrauen entgegen bringen würden. Jüngsten Wahlumfragen zufolge würden weder Pasok noch Nea Dimokratia, die beiden großen Volksparteien, bei der nächsten Wahl eine Parlamentsmehrheit erzielen. Von den Chaoswochen hat bisher vor allem das Linksbündnis SYRIZA profitiert. In Deutschland waren es ja angeblich auch die Protestwähler, die den Piraten den durchschlagenden Erfolg bescherten.

Mit den griechischen Piraten ist wohl so bald noch nicht zu rechnen. Erst mal brauchen sie Mitglieder, Geld, die Zustimmung des Obersten Gerichts.

Am Ende eines langen Abends in Athen wirkt Mariotti immer noch aufgekratzt. So viele Dinge, die nicht besprochen werden konnten, so viele Fragen, die offen blieben. Und das Treffen in Thessaloniki steht noch bevor.

Die Schwesterpartei hat von der Entwicklung in Griechenland jedenfalls schon Notiz genommen und eine Einladung geschickt – zum Bundesparteitag im Dezember in Offenbach.  

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