Pflanzengift : Glyphosat steht vor dem Aus

Brüssel will Zulassung auf fünf bis sieben Jahre senken – Deutschland könnte die Frist noch einmal zusätzlich drastisch verkürzen.

Die Verpackung eines Unkrautvernichtungsmittel, das den Wirkstoff Glyphosat enthält.
Die Verpackung eines Unkrautvernichtungsmittel, das den Wirkstoff Glyphosat enthält.Foto: dpa

Die EU-Kommission schlägt den Mitgliedsländern eine weitere Zulassung des umstrittenen Wirkstoffes Glyphosat um fünf bis sieben Jahre vor. Dies teilte die Kommission im Hinblick auf die entscheidende Sitzung am heutigen Mittwoch mit. Zunächst wollte die Kommission die Zulassung für den in Unkrautvernichtungsmitteln enthaltenen Wirkstoff um zehn Jahre verlängern. Dass es bei der Sitzung des Ausschusses zu einer Entscheidung kommt, ist aber eher unwahrscheinlich, da sich Deutschland enthalten will. Für eine Entscheidung müssen mindestens 16 von 28 Ländern mit Ja oder Nein stimmen, die zusammen mindestens 65 Prozent der EU-Bevölkerung ausmachen.

Deutschland könnte – wegen der hohen Einwohnerzahl und weil sich viele kleinere Länder an Deutschland orientieren – bei der Abstimmung den Ausschlag geben. Doch die nunmehr geschäftsführende Bundesregierung ist bei der Frage zerstritten. Agrarminister Christian Schmidt (CSU) ist für eine weitere Zulassung und hatte in den letzten Tagen versucht, den Widerstand dagegen beim scheidenden Koalitionspartner aufzulösen. Doch Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) bleibt hart und besteht darauf, dass sich Deutschland enthält. Dies sieht der Koalitionsvertrag bei einem Streit zwischen den Ressorts vor.

Zulassung läuft am 15. Dezember aus

Die Zulassung für Glyphosat in der EU läuft am 15. Dezember aus. Danach gelten noch einmal Übergangsfristen von bis zu 18 Monaten, in denen der Wirkstoff abverkauft und verwendet werden darf. Wenn es bis zum 15. Dezember keine Entscheidung gibt, läuft die Zulassung aus und Landwirte der EU dürfen Glyphosat nach der Übergangsfrist nicht mehr einsetzen. Sollte Deutschland den Entscheidungsprozess also durch Enthaltung weiter hinauszögern, kommt das einer Entscheidung gegen Glyphosat gleich.

Frankreich, Österreich und Italien haben bereits signalisiert, gegen die Zulassung zu stimmen. Glyphosat ist heftig umstritten. Klar ist, dass der Wirkstoff, der in vielen Unkrautvernichtungsmitteln im Einsatz ist, schlecht für die Artenvielfalt ist. Er vernichtet Pflanzen, die die Lebensgrundlage für viele Insekten und damit auch für Vögel sind. Zur Gesundheitsgefährdung für Menschen und Tiere gibt es unterschiedliche Meinungen. Die WHO kommt zu dem Schluss, dass Glyphosat vermutlich Krebs auslösen kann. Dagegen kommen die Behörden innerhalb der EU, Kanadas, Japans und Australiens zu dem gegenteiligen Schluss.

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