Polen : Umstrittenes Holocaust-Gesetz tritt in Kraft

Künftig ist es verboten, der polnischen Nation eine Mitverantwortung für vom NS-Deutschland begangene Verbrechen zuzuschreiben. Kritik aus Israel möchte Polen ausräumen.

Blick auf das Tor zum früheren Konzentrationslager Auschwitz.
Blick auf das Tor zum früheren Konzentrationslager Auschwitz.Foto: Jan Woitas/dpa

Polen will den diplomatischen Konflikt mit Israel wegen des umstrittenen Holocaust-Gesetzes lösen. „Ich bin sicher, dass wir gute Lösungen finden und die Angelegenheit aufklären werden“, sagte Senatsmarschall Stanislaw Karczewski am Donnerstag dem polnischen Rundfunk.

Das umstrittene Gesetz trat am Donnerstag in Kraft. Demnach ist es künftig unter Strafe verboten, der polnischen Nation die Verantwortung oder Mitverantwortung für vom nationalsozialistischen Deutschland begangene Verbrechen zuzuschreiben. Polen war von 1939 bis 1945 von NS-Deutschland besetzt.

Am Donnerstag sollte eine Arbeitsgruppe beider Länder in Jerusalem den Dialog aufnehmen und die Zweifel der Israelis ausräumen. Gesetzesänderungen standen Regierungsangaben zufolge zunächst nicht zur Debatte. „Wir müssen uns darum bemühen, dass die Emotionen rund um das Gesetz abkühlen“, betonte Karczewski.

Änderungen am Gesetz fraglich

Die Strafvorschrift hatte eine internationale Krise ausgelöst. Ob es Äderungen an dem Gesetz gibt, ist fraglich: „Wir fahren nicht nach Israel, um über Inhalte des Gesetzes zu verhandeln, wir wollen Kontroversen aufklären und den Dialog aufnehmen“, sagte Marek Suski, Chef in der Kanzlei des Ministerpräsidenten Mateusz Morawiecki.

Gesetzeskritiker werfen der Warschauer Regierung vor, mit der Regelung von Polen begangene Verbrechen an Juden vertuschen zu wollen. Polnische Politiker verteidigen die Initiative, die demnach den guten Ruf des Landes schützen soll. Eine Prüfung des Gesetzes durch das Warschauer Verfassungsgericht steht noch aus. Dieses soll nach vorläufigen Angaben in rund zwei Monaten darüber urteilen, ob das Gesetz gegen die Meinungsfreiheit verstößt. (dpa)

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