Political Animal : Aufbruch nach Europa

Die EU kann Verheißung sein – nicht nur für Martin Schulz. Es gibt da noch einige andere Namen. Ein Kommentar.

Der SPD-Parteivorsitzende Martin Schulz spricht bei den Koalitionsverhandlungen in der SPD-Parteizentrale, dem Willy-Brandt-Haus zu den Medienvertretern.
Der SPD-Parteivorsitzende Martin Schulz spricht bei den Koalitionsverhandlungen in der SPD-Parteizentrale, dem Willy-Brandt-Haus...Foto: Kay Nietfeld/dpa

Blicken wir voraus und zurück. Es gab eine Zeit, da war Europa Verheißung und Aufbruch für Deutsche, namentlich für deutsche Politiker. Friedrich Merz, Alexander Graf Lambsdorff, Manfred Weber, Martin Schulz – ja, auch die waren eine Verheißung. Oder sind es?

Lambsdorff in jedem Fall, denn die Freidemokraten brauchen angesehene Außenpolitiker, sind auch nicht eben reich gesegnet mit ihnen. Dieser Lambsdorff hätte auch gut Außenminister werden können. Zumal er als ehemaliger Vizepräsident des Europäischen Parlaments mit der Welt auf Du ist.

Merz ist ein ehedem viel beachteter, aber auch geachteter Christdemokrat, in Brüssel wie in Bonn und Berlin. Ein toller Redner, ein Finanzpolitiker von Graden, Fraktionschef mit Ambition. Nur war er da bei Weitem nicht so geschickt wie Angela Merkel, die ihn in diesem Amt beerbte. Nun ist er international tätiger Rechtsanwalt, Chef der Atlantik-Brücke und in den USA geachtet. Die CDU vermisst ihn – und jedes Mal, wenn die ihn reden hört, umso mehr. Seine Begabung im Bereich Finanzen, denken wir nur an die Steuerreform auf einem Bierdeckel, und seine Konservativität fehlen ihnen. Er als Finanzminister ist für viele denkbar. Wenn doch Merkel hören wollte...

Ein Liberaler unter den Konservativen

Manfred Weber nicht zu vergessen, den CSU-Politiker. Ein Liberaler unter den Konservativen, Fraktionschef der Europäischen Volkspartei, gut für einen Posten in Berlin wie auch einen anderen in Brüssel. Seine Karriere ist mit den jetzigen Ämtern, darunter dem des Parteivize der Christsozialen, noch nicht erfüllt. Er muss aber wissen, was er will, ehe es andere für ihn wissen wollen.

Martin Schulz zum Beispiel – in Europa ganz groß, an der Spitze des Parlaments, in allen Ländern der EU zu Hause. Polyglott, witzig. Einfallsreich zudem, und streitlustig. Authentizität war das, was ihm jeder bestätigte – und heute fast jeder bestreitet. Seine Verheißung war gestern? Falsch. Dann nicht, wenn er Europa als sein Morgen begreifen wollte.

Blicken wir voraus. Die Wahl des Kommissionspräsidenten, die Auswahl der Kommissare der EU: Das Jahr 2019 könnte für ihn ein Aufbruch werden. Und für alle anderen Genannten auch.

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