Political Animal : Dänen lügen nicht

Die Oberbürgermeisterwahl in Rostock könnte als Lehrstück für eine bessere Politik in die Geschichte eingehen. Er will die Stadt „hyggelig“ machen.

Der Däne Claus Ruhe Madsen (parteilos), bis vor kurzem Präsident der Industrie- und Handelskammer zu Rostock, ist bei einer Wahlkampftour im Stadtteil Lichtenhagen unterwegs.
Der Däne Claus Ruhe Madsen (parteilos), bis vor kurzem Präsident der Industrie- und Handelskammer zu Rostock, ist bei einer...Foto: Bernd Wüstneck/dpa

Politik mal anders, lebensnah und machbar. Und zwar so:

Umwelt – als Stadt auf Mehrwegpfand und umweltschonende Alternativen setzen, ein digitales Bürgerportal einführen, das papierfrei und von zu Hause aus erreichbar ist, den Energie- und Wasserverbrauch der Stadt senken und Abfallmengen reduzieren, unseren öffentlichen Nahverkehr auf alternative Antriebsformen umstellen, ein modernes Last-Mile-Konzept entwickeln, ein schlüssiges und sicheres Radwegenetz bauen, freiwillige Umwelt- und Aufräumtage initiieren und unterstützen.

Soziales – neue Konzepte für mehr Wohnraum, zum Beispiel durch den Bau von Tiny House Parks, eine Planung und Entwicklung der Stadt, die alle Menschen berücksichtigt und zu einer ‚menschenfreundlichen Stadt‘ macht, Räumlichkeiten für die muslimische Gemeinde, Modernisierung der Sportstätten, mehr Fitnessgeräte auf öffentlichen Plätzen, mehr Investitionen in Kinder- und Jugendarbeit, ein Aktionsmonat im Jahr, der sich um die Gesundheit und Fitness der Menschen dreht, Tierkümmerer, die Haustierhalter dabei unterstützen, wenn sie in Not geraten sind.

Bildung – praxisnahe Bildung, die sich an der Lebensrealität orientiert, Schulgärten für ein praktisches Verständnis der Umwelt, mehr Handwerk im Unterricht, zeitgemäße Ausstattung von Schulen, internationale Schulen, stärkere Vernetzung von Bildung und Wirtschaft, mehr Nachhilfeangebote, digitale Lerngruppen für Senioren, moderne Berufsschulen.

Smarte Lösungen

Wirtschaft – Stärkung der kreativen Wirtschaft, der Forschung und Universität, verbesserte Gründerkultur, Wirtschaftsförderung durch Wirtschaftskümmerer, bessere Schnittstellen zwischen Unternehmen, Verwaltung und Wissenschaft, verbesserte digitale Infrastruktur für Gewerbe, Fokus auf Tourismusbranche, verbesserte Berufsausbildung und ein besseres Qualifizierungssystem, attraktivere Gestaltung des Handwerksberufs.

Digitalisierung – smarte Lösungen für Wegebeleuchtung, Parkplatzsuche und Verkehr, One-Stop-Behörde, Gründung eines städtischen Unternehmens zur Unterstützung von Schulen, Verwaltung und kommunalen Gesellschaften bei der Digitalisierung.

Geht doch! Wer das will: Er ist Däne, Wikinger, Rennradfahrer, Handballtrainer, Familienvater, bis vor Kurzem IHK-Präsident, Möbelunternehmer. Trägt Bart und Kapuzenpullover. Seine Frau ist Finnin. Kennengelernt haben sie sich im Ruhrgebiet. Die Tochter ist zehn. Zu Hause wird deutsch gesprochen, finnisch gesungen und dänisch gedacht. Claus Ruhe Madsen, 46, parteilos, hat in Rostock den ersten OB-Wahlgang deutlich gewonnen. Er will die Stadt „hyggelig“ machen – zu einem Ort, der glücklich macht. Solche Typen wecken Lust auf Politik. Am Sonntag gilt’s.

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