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Politische Krise spitzt sich zu : Militärrat im Sudan geht gewaltsam gegen Demonstranten vor

Demonstranten fordern eine zivile Regierung für den Sudan. Eine Kundgebung vor Armeehauptquartier sollte aufgelöst werden. Viele Menschen sterben.

Das sudanesische Militär versucht eine Sitzblockade in Khartoum aufzulösen.
Das sudanesische Militär versucht eine Sitzblockade in Khartoum aufzulösen.Foto: AFP/Ashraf Shazly

Die Zahl der Toten bei der Räumung von Straßenblockaden im Sudan ist nach Angaben von Ärzten auf "mehr als 30" gestiegen. Hunderte weitere Menschen seien bei dem Vorgehen der Armee in der Hauptstadt Khartum verletzt worden, teilte das Zentralkomitee sudanesischer Ärzte am Montag mit. Zuvor war von mindestens 13 Toten die Rede gewesen.

Sicherheitskräfte waren laut Opposition und Ärzten gewaltsam gegen Demonstranten vorgegangen. Es würde versucht, mit Gewalt die seit Wochen andauernde Sitzblockade im Zentrum Khartums aufzulösen, twitterte das Gewerkschaftsbündnis SPA, die Organisatoren der anhaltenden Massenproteste im Sudan. Die Demonstranten seien einem „blutigen Massaker“ ausgesetzt. Das Bündnis rief die Menschen dazu auf, auf die Straßen zu gehen und friedlich zu demonstrieren, um den militärischen Übergangsrat zu stürzen.

Der Demonstrant Ahmed Hamdan sagte, Polizisten und Mitglieder der Schnellen Einsatztruppen (RSF) - einer berüchtigten Einheit, die mit dem Militär in Verbindung steht - seien gegen die Demonstranten vorgegangen. Sie hätten die Sitzblockade umzingelt und mit Tränengas und scharfer Munition geschossen, sagte er.

Auf dem zentralen Platz der Sitzblockade seien etliche Verwundete, die noch nicht abtransportiert werden konnten, teilte der Ärzteverband mit. Dieser bat Organisationen wie das Rote Kreuz und Ärzte ohne Grenzen um Hilfe. Zudem würden Sicherheitskräfte in einem Krankenhaus in Khartum mit scharfer Munition schießen, hieß es.

Putsch im April

Die US-Botschaft im Sudan machte den Militärrat, der seit dem Sturz von Langzeitmachthaber Omar al-Baschir im April an der Macht ist, für die Gewalt verantwortlich. Der Rat könne die Menschen Sudans nicht verantwortungsvoll führen, twitterte die Botschaft. Die Angriffe der Sicherheitskräfte auf Demonstranten müssten sofort aufhören. Auch der britische Botschafter Irfan Siddiq zeigte sich „extrem besorgt“ über die zu hörenden Schüsse und die Berichte, dass Sicherheitskräfte Demonstranten angreifen würden.

Im April war Al-Baschir nach drei Jahrzehnten an der Macht von den Streitkräften gestürzt worden. Dem Putsch waren monatelange Massenproteste vorausgegangen. Seitdem ringen das Militär und die Opposition um die Bildung einer Übergangsregierung. Die Verhandlungen waren kürzlich zusammengebrochen, da sich beide Seiten nicht darauf einigen konnten, wer die Übergangsregierung leiten sollte.

Die Sitzblockade, die maßgeblich zum Sturz Al-Baschirs beigetragen hatte, wurde auch nach dem Putsch fortgeführt. Jüngst hatte der militärische Übergangsrat die Sitzblockade als Gefahr für die Demonstranten und das Land bezeichnet und versprochen, gegen illegale Handlungen dort vorzugehen. Zudem wurde das Büro des arabischen Nachrichtensenders Al-Dschasira in Khartum nach eigenen Angaben von den Behörden geschlossen worden und den Reportern des Senders verboten, aus dem Land zu berichten. (dpa)

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