Porträt : Die Grünen bauen ihre Parteizentrale um

Die beiden Grünen-Chefs haben erstmals einen gemeinsamen Büroleiter. Robert Heinrich steht für den neuen Teamgeist der Parteispitze.

Die neuen Grünen-Vorsitzenden Annalena Baerbock und Robert Habeck bauen die Parteizentrale um.
Die neuen Grünen-Vorsitzenden Annalena Baerbock und Robert Habeck bauen die Parteizentrale um.Foto: dpa / Bernd von Jutrczenka

Sein Job ist ein Novum – auch deswegen hat Robert Heinrich sich entschieden, ihn anzunehmen. Der 41 Jahre alte Politikwissenschaftler wird künftig das gemeinsame Büro der beiden neuen Grünen-Vorsitzenden leiten. Bisher hatten die Parteichefs getrennte Büros und einen eigenen Stab. Dass ihr Verhältnis nicht das beste war, daraus machten zuletzt nicht mal mehr Cem Özdemir und Simone Peter ein Geheimnis. Auch zwischen Özdemir und Claudia Roth gab es regelmäßig Zoff. Und die Rivalität und das Misstrauen in der Führung setzte sich häufig bei den Mitarbeitern fort.

Doch Annalena Baerbock und Robert Habeck präsentieren sich in den ersten drei Wochen ihrer Amtszeit als Team. Das soll sich nun auch in einer veränderten Organisationsstruktur widerspiegeln. Als Leiter des gemeinsamen Vorsitzendenbüros will Heinrich dafür sorgen, dass die Fäden an einem Ort zusammengeführt werden. „In der Bundesgeschäftsstelle riecht es nach Neuanfang, da will ich gerne dabei sein“, sagt er.

Die Parteizentrale kennt Heinrich seit Längerem. Seit 2007 leitet er die Abteilung Öffentlichkeitsarbeit und Kampagnen, davor arbeitete er für die damalige Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke. Heinrich hat in diesen Jahren gelernt, wie Wahlkampf funktioniert: Er erlebte das Rekordergebnis der Grünen von 2009 genauso mit wie die „schlimme Wahlniederlage 2013“ oder den „knüppelharten, erst am Ende großartigen Wahlkampf 2017“. Als Schwarz-Gelb 2010 die Laufzeitverlängerung für die Atomkraft beschloss, organisierte Heinrich Menschenketten in der Tradition der Anti-Akw-Bewegung. Gleichzeitig machte er die Grünen fit fürs Internet und für Wahlkampf in den sozialen Netzwerken.

Der gebürtige Leipziger näherte sich selbst den Grünen in Schritten an. „Als Gerade-Teenager bin ich bei den Montagsdemos mitgelaufen und wurde da politisiert“, erzählt er heute. Dann hätten ihn zwei Lehrer geprägt. „Der eine fuhr immer eine Stunde mit dem Rad zur Arbeit, der andere brachte uns bei, was Klimawandel ist“, sagt Heinrich. Danach kam ein Praktikum bei der Heinrich-Böll-Stiftung in den USA.

Sein Job bleibt nicht die einzige Neuerung, erstmals wird in der Bundesgeschäftsstelle eine Grundsatzabteilung eingerichtet. Die Grünen wollen bis zum Frühjahr 2020 ein neues Grundsatzprogramm vorlegen, pünktlich zum 40. Geburtstag der Partei. Die Diskussion darüber soll auf einem Konvent Mitte April beginnen.

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