Präsidentenwahl im Krisenland : Malischer Staatschef Keïta gilt als Favorit

Mali ist der zweitgrößte Auslandseinsatz der Bundeswehr. Die Präsidentenwahl soll dem Land für den Kampf gegen Armut und Terror neue Stabilität bringen.

Menschen warten vor einem Wahllokal in Bamako darauf, ihre Stimme abzugeben. Amtsinhaber Keita gilt als Favorit für das Präsidentenamt.
Menschen warten vor einem Wahllokal in Bamako darauf, ihre Stimme abzugeben. Amtsinhaber Keita gilt als Favorit für das...Foto: REUTERS/Luc Gnago

Die Bürger des westafrikanischen Krisenstaates Mali haben am Sonntag unter strengen Sicherheitsvorkehrungen einen neuen Präsidenten gewählt. Die Abstimmung verlief zunächst weitgehend friedlich. Es zeichnete sich jedoch eine geringe Wahlbeteiligung ab. Beobachtern zufolge lag dies wohl auch an der Angst der Bürger vor Anschlägen islamistischer Terrorgruppen auf Wahllokale. Erste Wahlergebnisse sollen gegen Ende der Woche bekanntgegeben werden.

Die rund acht Millionen Wahlberechtigten konnten sich zwischen 24 Kandidaten entscheiden. Die größten Chancen wurden dem amtierenden Staatschef Ibrahim Boubacar Keïta (73) zugerechnet, der sich um eine zweite Amtszeit bewirbt. Sein wichtigster Herausforderer, Oppositionsführer Soumaïla Cissé (68), könnte sich jedoch nach Meinung von Experten genügend Stimmen sichern, um eine Stichwahl nötig zu machen. Diese würde in zwei Wochen stattfinden.

Der Chef einer Organisation örtlicher Wahlbeobachter, Ibrahima Sangho, erklärte am Sonntagnachmittag, es habe kaum größere Zwischenfälle gegeben. Es habe vereinzelte Angriffe auf Wahllokale im Zentrum des Landes gegeben, bei denen auch Wahlhelfer verletzt worden seien, sagte er. Die Organisation stützt sich auf ein Netz von rund 2000 Wahlbeobachtern. Wegen der instabilen Sicherheitslage im Norden und im Zentrum wurde jedoch vielerorts gar nicht erst abgestimmt - was nach Ansicht von Experten die Glaubwürdigkeit der Wahl untergräbt.

Stabilität in Mali auch für Deutschland wichtig

Der wüstenhafte Norden Malis ist das Rückzugsgebiet mehrerer mit Al-Kaida verbundener islamistischer Terrororganisationen. Diese gewinnen zunehmend auch im bevölkerungsreicheren Zentrum Malis Einfluss. Eine rund 14 000 Mann starke UN-Friedensmission, an der sich auch die Bundeswehr mit etwa 1000 Soldaten beteiligt, bemüht sich um eine Stabilisierung des Landes.

Stabilität in Mali zu erreichen, ist auch für Deutschland wichtig: Zum einen ist der Staat ein Transitland für Migranten, zum anderen wäre der Norden bei einem Staatszerfall das perfekte Rückzugsgebiet für radikale Islamisten aller Art - und das nur eine Landesgrenze vom Mittelmeer entfernt. Das ist nicht weit hergeholt: 2012 übernahmen mit Al-Kaida verbundene Islamisten in Folge eines Tuareg-Aufstands die Macht im Norden des Landes. Erst durch eine französische Militärintervention 2013 wurden die Islamisten zurückgedrängt.

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Die deutschen Soldaten sind vor allem im nordöstlichen Gao stationiert. Für die Bundeswehr ist die UN-Mission knapp hinter Afghanistan der zweitgrößte Auslandseinsatz. Er kostet pro Jahr derzeit etwa 270 Millionen Euro. Für Entwicklungshilfe hingegen bekommt Mali von Deutschland seit 2013 im Schnitt jährlich nur rund 70 Millionen Euro.

Die Islamisten können indes nach Meinung vieler Experten jedoch nur nachhaltig besiegt werden, wenn der malische Staat gestärkt wird. Mali ist eines der ärmsten Länder der Welt. Fast die Hälfte der Kinder im Grundschulalter - rund 1,2 Millionen - gehen laut UN-Kinderhilfswerk nicht zur Schule. Jedes neunte Kind stirbt demnach noch vor dem fünften Geburtstag (Deutschland: etwa jedes 250. Kind). (dpa)

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